Boxen : Ein Überlebenskünstler startet durch

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Von Claus-Dieter Steyer

Groß Köris. Er jodelte und sang, er erzählte Anekdoten, mit Paradiesvogel Nina Hagen sang er im Duett „Schenkt man sich Rosen im Tirol“ (allerdings bloß während einer Autofahrt) – er war Star: Lutz Jahoda, in den 70er und 80er Jahren im Unterhaltungsprogramm des DDR-Fernsehens feiert heute in seinem Haus am Wolziger See bei Groß Köris seinen 75. Geburtstag. Sein schönstes Geschenk, so verriet er gestern, hat er sich selbst gemacht: Eine CD mit dem Titel „Ich starte noch Mal durch". Drei Titel singt der gebürtige Böhme darauf, finanziert wurde die Scheibe von seinem ältesten Sohn Alexander. Vor allem Fans der Volksmusik und des Schlagers sind damit angesprochen. Sie schickten Jahoda, der sich selbst als Überlebenskünstler bezeichnet, zu seiner Glanzzeit Wäschekörbe voller Autogrammwünsche.

Lutz Jahoda selbst steht seit Anfang der neunziger Jahre vor einem riesigen Schuldenberg. Von einem westdeutschen Geschäftsfreund hatte er sich nach der Wende zum Aufbau eines Filialnetzes für Jeansshops überreden lassen. Doch die Umsätze brachen dramatisch ein, so dass eine Pleite nicht zu vermeiden war. „Irgendwie musste es dennoch weitergehen“, sagte Jahoda gestern. „Schon mein Lehrer an der Realschule nannte mich einen Seiltänzer.“

Halt gibt Jahoda jetzt seine inzwischen sechste Ehefrau. Sie ist 44 Jahre jünger. Vor vier Jahren kam der vierjährige Sohn Fabian zur Welt. Zwei Ex-Ehefrauen sind bereits verstorben. Jahodas zweiter Sohn, der Schauspieler Peter Jahoda, verstarb im Januar 1991 im Alter von 37 Jahren. Die Söhne Alexander und Sascha sind 53 bzw. 38 Jahre.

Wenn bei Ostdeutschen heute der Lutz Jahoda fällt, erinnern sie sich vor allem an die zwischen 1971 und 1981 produzierten Sendungen „Mit Lutz und Liebe". „Die Werktätigen hätten sich damals beschwert, dass es zu wenig Heiterkeit im Fernsehen gab“, erinnerte sich der Künstler. So sei die Idee mit dem Papageien Amadeus geboren worden. Gemeinsam sangen sie alte Schlager mit neue Texten. Danach folgte die Sendung „Spiel mir eine alte Melodie“, zwischendurch moderierte er die Sendung „Ein Kessel Buntes". Nach 1990 verschwand Jahoda vom Bildschirm. Der Aufschwung der Volksmusik kam etwas zu spät für ihn. Ab und zu steht er noch auf der Bühne. In Dresden feiert er Erfolge in einer Neuinszenierung der „Feuerzangenbowle.“ Das Stück spielt nicht an einem Gymnasium, sondern – dem Alter der Darsteller angemessen – in einem Seniorenheim. Jahoda findet das „wunderbar“.

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