Boxen : Eine Chance für das Urlaubsland

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Von Claus-Dieter Steyer

Urlaub in Brandenburg? Noch vor gar nicht langer Zeit gab es für diesen Vorschlag im Familien- und Bekanntenkreis nur ein abfälliges Lächeln. Schlechte Straßen, überhöhte Preise in den Hotels und Gaststätten, mangelhafte Ausschilderung, inkompetenter Service und obendrein kein Verlass auf schönes Wetter, so lauteten die hauptsächlichen Argumente. Zwar kann auch jetzt noch niemand wochenlang strahlend blauen Himmel über der Mark garantieren. Aber sonst hat sich allerhand zum Positiven verändert.

Gerade in diesen Tagen melden mehrere Regionen sogar einen neuen Trend: Starke Nachfrage in der Haupturlaubszeit. Bislang herrschte im Juli und August meist die große Ruhe. Da genossen die meisten Menschen ihre Ferien doch eher fernab der Heimat – an Sandstränden, im Hochgebirge oder in großen Städten. Für den Spreewald, Rheinsberg oder die Märkische Schweiz blieben der Zweit- oder Dritturlaub oder ein Tages- oder Wochenendausflug. Doch die schwindende Lust am Fliegen, Angst vor Anschlägen an bisherigen Traumzielen und nicht zuletzt der Zwang zum Sparen haben die Situation auf dem Reisemarkt erheblich verändert. So häuft sich die Nachfrage nach preisgünstigen Angeboten möglichst vor der Haustür.

Die Brandenburger Tourismusbranche erhält damit eine Chance, die vielleicht nicht so schnell wieder kommt. Jetzt muss der Appetit auf einen Urlaub an einem der 3000 Seen, in einem Thermalbad oder auf einem der oft idyllisch gelegenen Campingplätze geweckt werden. Also, ihr Hoteliers, Kanu-, Motorboot- und Fahrradverleiher, Stadt- und Wanderführer, Theaterleute oder Naturwächter: Hinein in die Berliner Einkaufszentren, vor die Stadtbäder, in die Parks, auf die Liegewiesen, an die S-und U- Bahnhöfe und in die Biergärten! Verteilt eure Prospekte, lockt mit Sonderpreisen, holt die Menschen in die Brandenburger Gefilde.

Einiges allerdings muss natürlich auch dort verändert werden. Die Touristeninformation muss am Wochenende auch länger als bis 12 Uhr geöffnet sein. Kneipen sollten Ruhetage streichen und Listen aller Veranstaltungen im Umkreis bereithalten. Wenn dann noch das Personal einen Crash-Kurs in Freundlichkeit erhält, dürfte dem Erfolg auch in der Konkurrenz mit anderen deutschen Urlaubsregionen nichts mehr im Wege stehen.

Neue Jobs wären nur eine Frage der Zeit. Und vielleicht erhält der Tourismus dann auch endlich den Stellenwert und die öffentliche Förderung, die er verdient. Mit wechselnden ABM-Stellen ist es da beispielsweise nicht getan. Halbherzige Aktionen, die mehr versprochen haben als sie hielten, wirkten eher rufschädigend als hilfreich. Seit Jahren verharrt die Zahl der touristischen Arbeitsplätze bei 55 000. Dabei könnten es viel mehr sein. Es wäre mehr als fahrlässig, die sich jetzt bietende Chance zu vertun. Damit aus der Rede vom „Urlaubsland Brandenburg“ eine Realität wird.

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