Energie : Speicher-Gegner sperren Vattenfall aus

Anwohner wollen für die Suche nach einem möglichem Kohlendioxid-Endlager keine Erlaubnis geben. Heute tagt das Gremium des Ministeriums zum ersten Mal in Seelow – hinter verschlossenen Türen.

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Protest am Gartenzaun. In Beeskow protestieren Anwohner bereits gegen die Erkundung eines Testfeldes für die unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid.
Protest am Gartenzaun. In Beeskow protestieren Anwohner bereits gegen die Erkundung eines Testfeldes für die unterirdische...Foto: Weisflog

Die neue Internetseite der Protestierer rund um Beeskow und im Oderbruch sagt eigentlich schon alles: „www.kein-fussbreit-auf-unser-land.de“. Wer die Seite anklickt, erhält neben einer Fülle von Informationen rund um die angebliche Gefährlichkeit von unterirdischen Kohlendioxid-Speichern eine klare Aufforderung an alle Grundstückseigentümer in beiden Regionen: „Wenn wir Nein sagen, kommt auch kein CO2-Endlager.“ Schließlich müsse der Energiekonzern Vattenfall für seine im Herbst geplanten seismologischen Vorerkundungen für die Lagerstätten eine Zustimmung von den betroffenen Eigentümern erhalten. „Nach dem Bergrecht steht es jedem Grundbesitzer frei, die Betretung durch einen privaten Konzern zu untersagen. Wir sollten und müssen von diesem Recht Gebrauch machen“, verlangen die Bürgerinitiativen in beiden Regionen östlich und südöstlich Berlins. Vattenfall will hier testen, ob sich der Untergrund für eine Einleitung des bei der Kohleverstromung entstehenden Kohlendioxids nach der CCS-Technologie eignet.

Die neue Offensive der von Gemeinde- und Stadtparlamenten, Kirchen, Agrar- und Gewerbebetrieben und vielen überregionalen Unterstützern getragenen Protestbewegung kommt nicht ganz zufällig: Am heutigen Mittwoch kommt der sogenannte „Beirat zur Begleitung der geologischen Erkundungen in Ostbrandenburg“ zu seiner ersten Tagung im Landratsamt Seelow zusammen. Das von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) ins Leben gerufene Gremium soll zwar die möglichen Erkundungsprojekte beraten und wissenschaftliche Erkenntnisse begutachten, tagt allerdings hinter verschlossenen Türen. Seine insgesamt 18 Mitglieder kommen aus den Kreistagen, Landratsämtern, den Bürgerinitiativen, Bauernverbänden, der IHK Ostbrandenburg sowie vom Geoforschungszentrum, dem Landesbergamt und von Vattenfall. Für Christoffers selbst kann die „grundsätzliche Entscheidung“ zu der Frage, ob Kohlendioxid gespeichert werden kann, erst nach Vorlage der Erkundungsergebnisse getroffen werden.

An zwei Orten laufen derzeit Vorarbeiten - Anwohner protestieren bereits.
An zwei Orten laufen derzeit Vorarbeiten - Anwohner protestieren bereits.Foto: Archiv

Doch bereits schon diese Untersuchungen wollen die Anwohner verhindern. „Wir werden keine Versuchskaninchen sein, damit ein Energiekonzern weiterhin mit Kohle Profit machen kann“, sagt der Vorsitzende der Beeskower Bürgerinitiative, Udo Schulze.

Der Sprecher der Initiative, Mike Kess, warnt vor Gefahren einer Einspeisung von Kohlendioxid. „Die Erforschung der CCS-Technologie passiert ja nicht unter unbewohntem Land mit harmlosen Gasgemischen, sondern es soll Kohlendioxid mit seiner tödlichen Wirkung in hohen Konzentrationen unter unseren Städten, Dörfern und Gemeinden verpresst werden“, sagt er. Damit legitimiere die Politik das größte jemals geplante Experiment mit Gefahren für Mensch, Umwelt und Wasserversorgung auf deutschem Boden.

Die von Vattenfall angebotenen „Ausgleichszahlungen“ würden die engagierten Bürger ablehnen. „Wir sind nicht käuflich wie manch andere“, sagt Kess. Er kündigte für den 4. September auf dem Marktplatz in Beeskow eine große Informationsveranstaltung an.

Viel Unterstützung erhalten die Speicher-Gegner von den Einwohnern der drei vom Tagebau Jänschwalde-Nord möglicherweise bedrohten Dörfer bei Cottbus. Grabko, Atterwasch und Kerkwitz hoffen auf ein Scheitern der Vattenfall-Pläne, „um ihre Heimat zu retten“. Man solle stattdessen auf alternative Energiequellen setzen und den Braunkohleabbau nicht auf alle Zeit zementieren, heißt es in einem offenen Brief der Einwohner.

Vattenfall dagegen will nach eigenen Angaben in der Zeit von 2015 bis 2020 „marktreife Lösungen für die Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung in kohlegefeuerten Kraftwerken erbringen“. Seit September 2008 arbeitet eine Pilotanlage in Schwarze Pumpe, deren Testprogramm im kommenden Jahr endet. In Kürze will Vattenfall in die Versuchsanlage bei Ketzin westlich Berlins das erste verflüssigte Kohlendioxid aus seinem Kraftwerk einleiten.

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