Boxen : Entscheidung in der Kabine

Wie genau sind Umfragen zwei Tage vor einer Wahl? Kommt darauf an, wer sie macht – sagen Meinungsforscher

Marc Neller

Das offizielle Resultat der Bürgerschaftswahl steht erst am 10. März fest. Am Ergebnis aber wird sich nicht mehr sehr viel ändern, wie eine Sprecherin der Wahlleitung sagt. Also geht es um folgende Zahlen: CDU 47,2 Prozent und 42, 8 Prozent für Rot-Gün (SPD: 30,5 und GAL: 12,3).

Daraus folgt: Forsa lag mit seiner letzten Trendbestimmung zwei Tage vor der Wahl voll daneben. Das Meinungsforschungsinstiut hatte eine Umfrage veröffentlicht, nach der die CDU und Rot-Grün mit jeweils 44 Prozent der Wählerstimmen gleichauf lagen. Schon in ersten Hochrechnungen nach der Wahl zeichnete sich aber ab, dass dieser vorgefühlte Wahlausgang deutlich vom Endergebnis abweichen würde. „Ich bin trotzdem nicht unzufrieden“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. „Die Wahl war sehr schwierig einzuschätzen. Viele Unentschlossene, mehr als sonst, haben sich erst in der Wahlkabine entschieden.“

Wer glaube, man könne Wahlergebnisse prognostizieren, der irre. „Meinungsforscher können nur Stimmungen wiedergeben. Alles andere ist unseriös“, sagt Güllner. Kollegen von anderen Instituten teilen die Einschätzung der Konkurrenz nicht uneingeschränkt. „Unser letztes Umfragebild liegt doch ziemlich nahe am tatsächlichen Wahlergebnis“, sagt Matthias Jung, Leiter der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen. Eine Woche vor der Wahl veröffentlichte die Forschungsgruppe diesen Trend: 47 Prozent für die Union, 29 für die SPD, 13 für die Grünen.

Beeinflusst ein knappes Umfrageergebnis wie das von Forsa kurz vor der Wahl die Entscheidung der Wähler? Dazu Matthias Jung: „Wenn ich einen Effekt vermuten würde, dann den, dass tendenziell die CDU von diesem knappen Stimmungsbild profitiert hat. Denn Ole von Beust hatte, was die Zustimmung der Bürger angeht, eindeutig die größeren Reserven als die Sozialdemokraten.“ Jürgen Hofrichter vom Berliner Institut Infratest dimap sagt dagegen, er glaube nicht, dass Umfragen kurz vor einer Wahl viele Wähler nenneswert beinflussten. „Ich kenne keine Untersuchung, die belegt, dass eine knappe Umfrage die Wähler eines Lagers anspornt.“

Außer Forsa hatte auch die Wahlleitung Ärger mit den Zahlen: Sie hatte eine Wahlbeteiligung von 78,8 Prozent errechnet – rund zehn Prozentpunkte zu viel.

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