Erntesaison : Mit dem Körbchen aufs Erdbeerfeld

Lust auf was Süßes? Die Erntesaison hat begonnen. Doch das Angebot zum Selberpflücken geht zurück

Claus-Dieter Steyer
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Rote Pracht. Viele verbinden das Erdbeerpflücken mit einem Ausflug. Foto: ddp

Altlandsberg – Wer sich in diesem Jahr an frischen Erdbeeren aus Brandenburg erfreuen will, kommt um einen Ausflug nicht herum. Selbstpflücken – so lautet die sichere und höchst vergnügliche Empfehlung für die nächsten sechs Wochen. Schließlich ist die Anbaufläche für die süßen Früchte landesweit erneut gesunken. Auf insgesamt 300 Hektar großen Feldern wächst das Obst, während es 2006 noch 120 Hektar mehr waren.

Die Ernte wird deshalb vorwiegend in den Hofläden der Betriebe oder während der täglichen Selbstpflückaktionen abgesetzt. Dabei füllen die Ausflügler nach der Anmeldung auf den Plantagen nicht nur die später gewogenen und bezahlten Körbe mit Erdbeeren, sondern auch meist unaufhörlich ihre Münder. Was da verschwindet, muss natürlich an der Kasse später nicht abgerechnet werden. Die Bauern kalkulieren diese Verluste mit ein. Derzeit kostet ein Kilogramm selbstgepflückter Beeren im Schnitt 2,30 Euro.

„Für viele Landwirte in Brandenburg rechnet sich der Anbau von Erdbeeren nicht mehr“, sagte Jörg Lübcke, Referatsleiter Gartenbau im Landesamt für Verbraucherschutz, bei der Saisoneröffnung in Wesendahl bei Altlandsberg. „Erst bei einem Ertrag von 10 bis 20 Tonnen pro Hektar stellen sich Gewinne ein, doch viele kleine Betriebe kommen gerade mal auf fünf Tonnen.“ Die Spitzenergebnisse ließen sich nur mit hohem Aufwand erzielen. Ohne Folien gegen das Unkraut und eine ständige Bewässerung der Pflanzen mittels Schläuchen blieben alle Ergebnisse auf niedrigem Niveau.

Dazu leiden die märkischen Obstbauern unter klimatischen Nachteilen. Im Südwesten Deutschlands stellt sich der Frühling nun einmal etwas früher als in hiesigen Breiten ein, sodass die Lieferungen aus Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz schon ab Mitte Mai die regionalen Märkte bestimmen. Wer zuerst kommt, bestimmt auch die Preise. „Wenn diese langsam abbröckeln, stoßen die Brandenburger mit ihrer ersten Ware in den Verkauf“, beschreibt Referatsleiter Lübcke die Situation. „Sie brauchen hohe Preise, können diese aber nicht durchsetzen.“ Dazu kommen verstärkte Billigimporte aus Osteuropa.

Im Ergebnis decken die einheimischen Obstbauern gerade zu acht Prozent den Bedarf an Erdbeeren in Berlin und Brandenburg. Im Schnitt isst jeder Deutsche jährlich drei Kilogramm der vitaminreichen und kalorienarmen Früchte. Kenner greifen lieber zu kleinen und dunklen statt zu den optisch auffallenden großen Beeren. Besonders große Früchte sind oft hohl und schmecken wässrig, kleine Exemplare besitzen meistens ein intensiveres Aroma.

Brandenburgs Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) möchte den Anteil der Brandenburger Obstbauern gern erhöhen. „Gute Marktchancen sehe ich für Öko-Erdbeeren“, sagte er. Die Verbraucher vor allem in Berlin würden solche Produkte sehr schätzen. Deshalb seien die Öko-Geschäfte gute Abnehmer für Produkte aus der Region. Am frischesten aber gibt es sie auf dem Feld – mehr Öko geht hier kaum. Claus-Dieter Steyer

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