Boxen : Erste Gesellenfeier hinter Spremberger Gefängnismauern

Claus-Dieter Steyer

Auf dem Abschlusszeugnis für die Maler und Lackierer fehlt der genaue Ort der Ausbildung. "Spremberg", heißt es etwas anonym. Eigentlich müsste davor die Bezeichnung "Justizvollzugsanstalt" stehen. "Ich bin froh, dass die JVA nirgendwo auftaucht", sagt ein 22-Jähriger. Die Erleichterung ist ihm anzusehen. "Da habe ich draußen wenigstens nicht von vornherein schon schlechte Karten."

In einem halben Jahr wird der junge Mann die Gefängnismauern hinter sich lassen und sich auf Jobsuche begeben. Gemeinsam mit zwei anderen Häftlingen hat er die Berufsausbildung innerhalb der Haftanstalt vorfristig beendet. Die beiden sind vor einigen Tagen entlassen worden und haben in einer Woche schon acht Bewerbungen geschrieben.

Die Übergabe der ersten Gesellenbriefe war der Anstaltsleitung sogar eine kleine Feierstunde wert. Positive Nachrichten aus diesem Bereich der Justiz zählen schließlich gerade in Brandenburg zu den Seltenheiten. Wenn auch die Zahl der Ausbrüche in den vergangenen Jahren zurückging, brachte doch ausgerechnet das Spremberger Personal Anfang Dezember vergangenen Jahres die ganze Zunft der Justizangestellten in Verruf. Ein Häftling war wegen einer Namensgleichheit irrtümlicherweise statt eines anderen Insassen entlassen worden.

"Diesmal geht alles mit rechten Dingen zu", sagte Anstaltsleiter Jürgen Rades. "Alle Abschlüsse sind amtlich geprüft." Er führt zu drei Werkstätten, in denen hinter vergitterten Fenstern reges Treiben herrscht. Hier wird gemalt, gezeichnet, gesägt, gehobelt, gepflastert und gepflanzt. "Wir können zum Glück jedem der derzeit 106 vorwiegend jungen Insassen eine Beschäftigung anbieten", erklärt der Chef. 84 Plätze gibt es. Darunter die Berufsausbildung zum Tischler, Maler und Gärtner, außerdem Kurse zur Berufsvorbereitung und Umschulung. Der Rest entfällt auf typische Gefängnisaufgaben in der Bibliothek oder in der Küche.

Diese nicht nur in Brandenburg überdurchschnittlich hohe Quote liegt vor allem an der Universal-Stiftung aus Berlin. Die vor 45 Jahren vom Schauspieler und Regisseur Helmut Ziegner gegründete Organisation kümmert sich die Wiedereingliederung von Strafgefangenen, Strafentlassenen und um gefährdete Jugendliche. Im Land Brandenburg bietet sie berufliche Ausbildungen sowohl in der Vollzugsanstalt Spremberg als auch in der Stadt Brandenburg an. Das Arbeitsamt und der Europäische Sozialfonds stellen Mittel zur Verfügung.

Jung-Geselle Mike S. zählt die Tage bis zu seiner Entlassung. Vor einigen Jahren, so erzählt der Brandenburger, sei er in schlechte Gesellschaft und auf die schiefe Bahn geraten. Das wolle er künftig auf jedem Fall vermeiden. Beste Gewähr dafür biete das Zeugnis als Facharbeiter - ohne den Stempel von der JVA.

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