Boxen : Experten: Keine Ansteckungsgefahr durch Eier oder Fleisch

Infektionen nur bei sehr engem Kontakt / Verstorbener niederländischer Tierarzt „ein absoluter Sonderfall“

Ingo Bach

Nachdem am vergangenen Gründonnerstag ein niederländischer Tierarzt an der Geflügelpest gestorben ist, geht in Deutschland die Sorge um, dass man sich schon durch den Verzehr von belastetetem Geflügelfleisch oder Eiern mit der Krankheit infizieren könnte. Doch das Bundesverbraucherschutzministerium beruhigt: „Nach vorliegendem Erkenntnisstand geht weder von Geflügelfleisch noch von Eiern eine Gefahr für den Verbraucher aus“, sagte eine Ministeriumssprecherin dem Tagesspiegel. Außerdem gelangten schon seit dem 1. März keine Geflügelprodukte aus den von der Tierkrankheit betroffenen Gebieten mehr nach Deutschland. Denn: „Die Viren können unter Umständen im Fleisch und in den Eiern überleben“, sagt Peter Hummel, Tierseuchenreferent in der Berliner Gesundheitsverwaltung.

Der verstorbene Veterinär sei ein „absoluter Sonderfall“, sagt auch Susanne Glasmacher vom Berliner Robert-Koch-Institut (RKI). Man könne sich noch nicht erklären, wie es zu diesem Todesfall gekommen ist. Offenbar sind aber Personen, die sehr engen Kontakt mit den erkrankten Tieren haben, ansteckungsgefährdet.

Bindehautentzündungen beobachtet

„In den Niederlanden wurden bei den betroffenen Hühnerzüchtern oder Tierärzten vermehrt Bindehautentzündungen und Atemwegsbeschwerden beobachtet“, sagt die RKI-Sprecherin. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch schlossen Experten aus. Neuinfektionen seien nur von den kranken Tieren möglich.

Das Problem bei der Geflügelpest ist, dass der Erreger sehr schnell mutiert und dann für Menschen zu einer Gefahr werden kann. Der Name Geflügelpest ist irreführend, denn die Krankheit hat nichts mit der Pest zu tun. Der Keim gehört zur Familie der Grippeviren. Schon einmal 1997 griff ein mutierter Virus, der zuvor nur in Wasservögeln und Hausgeflügel nachgewiesen wurde, auf Menschen über. Vor allem in Hongkong und China erkrankten und starben die Menschen an dieser so genannten Vogelgrippe.

Nun macht man sich beim Robert- Koch-Institut Gedanken, wie man die jetzt gefährdeten Personen vor einer Infektion schützen könnte. „Grippeschutzimpfungen helfen in diesem Falle nicht“, sagt RKI-Sprecherin Glasmacher. In den Niederlanden wurden diejenigen, die mit den kranken Geflügel zu tun haben, aufgefordert, vorbeugend antivirale Medikamente einzunehmen. Der gestorbene Tierarzt hatte sich nach Angaben der niederländischen Behörden geweigert, diese Arzneimittel zu schlucken.

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