Extremismus : Rechte und linke schwarze Blöcke ähneln sich

Neonazis und Autonome nähern sich in ihrem Hassgebaren zunehmend an. Zu diesem Schluss kommt der Brandenburgische Verfassungsschutz, der die "schwarzen Blöcke" analysiert hat.

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Das hier sind Linke. Vom Habitus her lassen sie sich aber immer schlechter von rechten Radikalen unterscheiden, sagt der Verfassungsschutz.
Das hier sind Linke. Vom Habitus her lassen sie sich aber immer schlechter von rechten Radikalen unterscheiden, sagt der...Foto: ddp

Potsdam - Das Innenministerium warnt vor einer wachsenden Radikalisierung bei Neonazis und Autonomen, die sich außerdem immer ähnlicher werden. „Beide Ideologien vereint die Bereitschaft, den Staat abzulehnen, dafür Gewalt einzusetzen und Opfer in Kauf zu nehmen“, sagte Staatssekretär Rudolf Zeeb jetzt bei einer Tagung des Verfassungsschutzes in Potsdam zum Thema „Schwarze Blöcke rechts und links“. Zeeb appellierte an die Eltern von Jugendlichen, frühzeitig zu intervenieren, wenn Sohn oder Tochter in Extremismus abdriften. Es handele sich nicht um „alternative Freizeitkulturen“, sagte der Staatssekretär, die Phänomene seien keinesfalls harmlos. Allerdings werde es zunehmend schwierig, Neonazis von Autonomen zu unterscheiden.

Rechts und Links gleichen ihren Habitus an

Mehrere Experten schilderten, wie sich die schwarzen Blöcke von rechts und links in ihrem Habitus angleichen. In der Szene der Neonazis hat das Spektrum der als besonders aggressiv geltenden „Autonomen Nationalisten“ Zulauf. Der Verfassungsschutz spricht von bundesweit mehr als 500 Personen, Brandenburg ist mit 160 besonders belastet. Die Autonomen Nationalisten sind oft sehr jung, im Schnitt zwischen 14 und 18 Jahren, etwas älter sind meist die Anführer. Wie der Name schon andeutet, kopieren diese Neonazis die linksextremen Autonomen. Eine Gruppierung nennt sich beispielsweise „Alternative Jugend Potsdam“, ist aber trotz des irreführenden Namens eindeutig rechtsextrem. Ein Brandenburger Verfassungsschützer zeigte zudem bei der Tagung ein Video, das bereits 2007 auf der Website „Jugend-Offensive“ erschien. Eine junge Frauenstimme zitiert Sprüche, die Gudrun Ensslin, Mitbegründerin der Roten-Armee-Fraktion, im Prozess nach dem Brandanschlag auf ein Kaufhaus in Frankfurt/Main von sich gegeben hatte. Die Website wird von Neonazis aus Südbrandenburg betrieben.

Autonome Nationalisten wirken schon fast wie Sekte

In dieser Region fallen Autonome Nationalisten schon länger mit derben Provokationen auf. Aktivisten, die sich im Internet auf der Website „Spreelichter“ präsentieren, drängten sich beispielsweise als Sensenmänner verkleidet in ein Halloween-Fest in Ruhland und einen Karnevalsumzug in Schlepzig. Die Neonazis trugen zudem ein Transparent mit der Aufschrift „Die Demokraten bringen uns den Volkstod“. Am Rande der Tagung sagten Verfassungsschützer, die Gruppierung wirke fast schon wie eine Sekte.

Linksextreme treten als Clowns auf

Linke Autonome agieren trotz der ideologischen Feindschaft zu Neonazis teilweise ähnlich. In Hamburg träten gewaltbereite Linksextremisten als „Rebel Clown Army“ auf, berichtete ein Verfassungsschützer aus der Hansestadt. Hinter lustigen Masken werde die Polizei so lange provoziert, bis es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Die Autonomen wollten auf perfide Weise Bilder provozieren, die vor allem Kinder erschrecken: „Die fragen dann ihre Eltern, was die Polizei mit dem blutenden Clown gemacht hat“, sagte der Experte.
Ein bizarres Beispiel, wie punktuell inhaltliche Unterschiede zwischen rechts und links verschwimmen, präsentierte ein Brandenburger Verfassungsschützer. Er zeigte das Video der Band „Blutiger Osten“ zum Song „Hasstirade“. Der Sänger grölt, „ich scheiße auf die Toleranten, die feige Meute“ und „ich hasse Kinderficker wie die Pest“. Das klingt nach braunem Hass und der Parole „Todesstrafe für Kinderschänder“. Doch die Band zählt zum Milieu von Punks und Linken. Sie bedient der Sänger auch: „Ich hasse meinen Nächsten, wenn er ein Nazi ist“.

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