Boxen : Fällaktion im Naturschutzgebiet In einem künftigen Totalreservat der Schorfheide

wurden hunderte alter Eichen abgeholzt

Michael Mara

Joachimsthal - Die vom Unternehmerehepaar Lisa und Hugo Fiege mitbegründete Naturschutzstiftung Schorfheide- Chorin muss sich gegen schwere Vorwürfe wehren: Der Landesverband Brandenburg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hat Strafanzeige gegen die gemeinnützige Stiftung erstattet. Begründung: Sie habe in dem ihr übereigneten Naturschutzgebiet Redernswalder Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zwischen 450 und 600 uralte Eichen fällen lassen. Nach Ansicht des Nabu handelt es sich dabei um einen ungesetzlichen Akt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding, bestätigte, dass ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet worden ist. Die Akten seien der Kriminalpolizei übergeben worden.

Der Fall ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Stiftung als Modell für privates Naturschutzengagement in Brandenburg gefeiert worden ist. Denn die finanzielle Grundlage für die Stiftung, in der auch drei regionale Naturschutzvereine vertreten sind, hat das Unternehmerehepaar Fiege gelegt. Die Fiege-Gruppe ist ein führender europäischer Logistik- Konzern. Lisa Fiege ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte erst im Januar die Stiftung bei einem Besuch auf Gut Wolletz gelobt: „Diese Kombination von Wirtschaft und Naturschutz ist einmalig in Deutschland.“

Nun heißt es in der Strafanzeige, dass sich die Stiftung „einer vorsätzlichen Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete … in einem besonders schwer wiegenden Fall schuldig gemacht“ habe. Denn wer entgegen einer zum Schutz eines Naturschutzgebietes erlassenen Rechtsvorschrift Wald rodet und den Naturschutz dadurch erheblich verletzt, werde mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe zur Rechenschaft gezogen.

Während der Nabu Brandenburg von einem „Skandal erster Güte“ spricht, sieht sich Unternehmer Hugo Fiege „zu Unrecht kriminalisiert“. Dem Tagesspiegel sagte er, dass das betroffene Schutzgebiet noch nicht wie geplant als Totalreservat ausgewiesen und Forstwirtschaft daher derzeit erlaubt sei. Mit der Fällung der etwa 150 Jahre alten Eichen sollte im Übrigen ein Buchenbestand geschützt werden. „Eine fachlich umstrittene Maßnahme, aber rechtlich erlaubt“, so Fiege.

Dagegen argumentiert der Nabu, dass für das Naturschutzgebiet eine so genannte Veränderungssperre bestanden habe, die solche Fällaktionen generell nicht zulasse. Auch sei das Abholzen bei der unteren Naturschutzbehörde nicht angemeldet worden. Der Nabu vermutet, dass die Eichen im Wert von etwa 60 000 Euro als Parkettholz verkauft werden sollten.

Auch Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) beurteilt die Fällaktion kritisch: Es sei schwer nachzuvollziehen, warum hunderte wertvolle Alteichen in einem Gebiet gefällt werden müssten, das bekanntermaßen als Totalreservat vorgesehen ist und es in absehbarer Zeit auch sein werde. Deshalb solle jetzt von einem externen Experten ein Rechtsgutachten angefertigt werden, sagte Woidke. Allerdings: Die Fällungen hat laut Fiege der Landesforstbetrieb vorgenommen – das Ministerium ist also nicht ganz unschuldig.

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