Boxen : Fahndung nach Frank Schmökel: Triebverbrecher hält Brandenburg in Atem

Werner Schmidt

Auch am vierten Tag nach der Flucht des Gewaltverbrechers und Kinderschänders Frank Schmökel hat die Polizei noch keine heiße Spur von dem 38-Jährigen. Nach Auskunft der Polizei in Frankfurt (Oder) sind bisher rund 280 Hinweise eingegangen, davon allein 30 in der Nacht zu gestern. Neben zahllosen Kriminalbeamten sind auch 300 Schutzpolizisten unterwegs, die die eingehenden Hinweise überprüfen. Sozialminister Alwin Ziel kritisierte gestern das Verhalten der Pfleger, die den als gefährlich geltenden Schmökel am Mittwoch während seines Ausgangs begleitet hatten.

Ohne die Verletzung ihrer Vorschriften hätte Schmökel weder die "Tat mit den Verletzungsfolgen für seine Opfer noch die Flucht gelingen können". Bis zur Klärung des Sachverhalts wurden die Betroffenen vom Dienst suspendiert. Geprüft werde auch, ob sich die "Pfleger durch Pflichtverletzungen einer Straftat schuldig gemacht haben". Keine Fehler konnte Ziel dagegen bei der Landesklinik feststellen, die Schmökels Ausgang genehmigt hatte. Die "bundesgesetzlichen Bestimmungen des Maßregelvollzugs werden korrekt beachtet und angewendet", heißt es in einer Mitteilung Ziels.

Die Polizei durchsuchte gestern Nachmittag das Gelände einer ehemalige Kaserne der sowjetischen Armee bei Strausberg. Dort waren Essensreste und leere Flaschen gefunden worden - mögliche Überreste von Mahlzeiten, die Schmökel dort zu sich genommen haben könnte. Er sei aber auch durchaus in der Lage, sich von Würmern und Insekten oder Resten zu ernähren, die er auf Müllkippen ausgegraben habe, wie er dies bereits bei früheren Fluchten getan habe, sagte der Frankfurter Polizeisprecher Dieter Schulze.

Die Polizei geht ohnehin davon aus, dass sich Frank Schmökel, der in Strausberg geboren ist, noch immer in der Nähe seiner Heimatstadt aufhält: "Hier kennt er sich aus", sagte Schulze. Außerdem habe das Fluchtverhalten Schmökels in der Vergangenheit gezeigt, dass er sich noch längere Zeit in der Nähe des Fluchtortes aufgehalten habe, und er erst weitergezogen sei, wenn "etwas Ruhe eingekehrt" war. "Wir warten sehnsüchtig darauf, dass er einen Fehler macht", sagte Schulze.

Die Straßensperren in Strausberg wurden aufgehoben, dennoch gibt es noch sporadische Kontrollen. Unmittelbar nach Schmökels Flucht waren sämtliche Fahrzeuge, die die Stadt verließen, und die S-Bahnen in Richtung Berlin kontrolliert worden. Am Mittwoch war "Strausberg dichtgemacht worden - es war wie Belagerungszustand", sagte ein Polizeibeamter. Inzwischen habe sich die Situation einigermaßen entspannt. Dennoch ist noch immer unklar, wie Schmökels Fluchtweg verlief, nachdem er an der Heinrich-Rau-Straße im Wohnhaus seiner Mutter einen Pfleger durch Messerstiche schwer und den zweiten Pfleger sowie seine Mutter leichter verletzt hatte.

Nachdem der Wagen mit Schmökel und seinen insgesamt drei Begleitern - zwei 29 und 55 Jahre alte Pfleger sowie ein 34-jähriger Sozialarbeiter - eingetroffen war, hatte Schmökels Mutter ihren Sohn auf der Straße empfangen. Alle fünf waren zunächst in die Wohnung der 59-jährigen Frau gegangen. Dann überkam den 55-jährigen Pfleger und den Sozialarbeiter der Wunsch nach einer Zigarette. Da sie in der Wohnung nicht rauchen durften, gingen sie offenbar vor das Haus. Zu diesem Zeitpunkt verschaffte sich Schmökel in der Küche das Messer und wollte dann offenbar einfach weggehen. Als dies der noch anwesende Pfleger merkte und ihn zurückhalten wollte, stach Schmökel zu, verletzte dabei den Mann und seine Mutter leicht. Durch den Lärm war der zweite Pfleger aufmerksam geworden und stellte sich im Treppenhaus dem Flüchtling entgegen. Dieser stach mehrfach zu. Die Polizei, die zu der Bluttat gerufen worden war, erfuhr erst sehr viel später, dass es sich bei dem Täter um Frank Schmökel handelte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben