Boxen : Feiern wie bei Königs

Schlösserstiftung will mit Vermietung Geld verdienen

Claus-Dieter Steyer

Von Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Geldnot macht erfinderisch. Auch bei der Schlösserstiftung. Staatsempfänge, Firmenpräsentationen, große Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten sollen künftig in den herrschaftlichen Räumen oder auf den Freiplätzen vor der einzigartigen Kulisse der Schlösser und Gärten in Berlin und Potsdam verstärkt möglich sein. Selbst die Einrichtung von Ferienwohnungen in ausgewählten Gebäuden sind kein Tabu mehr. „Natürlich genießt der Denkmalschutz oberste Priorität“, sagte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Professor Hartmut Dorgerloh, gestern. „Aber es mangelt nicht an Ideen, um mehr Einnahmen für die Erhaltung des teuren Erbes hereinzuholen.“

Bisher können nur zwei der insgesamt 300 von der Stiftung verwalteten Bauten für große Feiern gemietet werden. Die Orangerie im Schlosspark Charlottenburg bietet 500 Sitz- oder 1000 Stehplätze. Sie kostet pro Tag rund 12 000 Euro. Billiger ist es im Schloss Lindstedt in Potsdam . 1500 Euro beträgt die Tagesmiete. Der große Raum bietet 50 Sitzplätze oder 100 bis 120 Stehplätze. „Für diese Preise erhalten sie lediglich die Räume“, sagt der Veranstaltungsmanager der Stiftung, Dirk Ueberhorst. „Um Catering oder Dekoration muss sich der jeweilige Nutzer selbst kümmern.“ Mindestens sechs Wochen vorher müssen sich die Interessenten anmelden. Im Gespräch sind auch andere Preise möglich, sagt Ueberhorst. In Kürze nutzt der ADAC die Orangerie. Die beliebteste Freifläche für Veranstaltungen aller Art im Park Sanssouci befindet zwischen Neuem Palais und den Communs.

Heiraten im Schloss ist bislang nur im Schloss Caputh am Schwielowsee möglich. Dort gibt es ein richtiges Standesamt, das 100 Euro zusätzlich kostet. Bis auf die Sonnabende im Mai gibt es noch viele freie Termine, wie eine Nachfrage in Caputh ergab. In anderen Schlössern sind Trauungen noch nicht möglich. „Kerzen, gestreute Blumen, Getränke und andere Dinge, die zu einer Hochzeit gehören, richten leider viele Schäden an“, sagt der Veranstaltungsmanager Ueberhorst. Deshalb bleibt auch Schloss Sanssouci für Feiern gesperrt.

Ferienwohnungen kann sich Stiftungschef Dorgerloh in jetzigen Miethäusern in den Gartenanlagen oder im leer stehenden Schloss Sacrow vorstellen. „Zur Miete im Park von Sanssouci oder im Neuen Garten zu wohnen, klingt vielleicht zunächst sehr schön“, sagte er. „Aber da gibt es viele Probleme mit Parkplätzen, Autoverkehr, Versorgung, Abwasser und anderen Dingen. Nutzer von Ferienwohnungen haben da ganz andere Interessen. Beispiele in England zeigen, was da möglich ist.“

Hinter den Überlegungen stehen Geldsorgen. In vielen Gebäuden – im Schloss Cecililenhof oder Teilen des Neuen Palais - herrscht bereits äußerster Zeitdruck. Die Dächer müssen erneuert werden. Nur rund zwölf Millionen Euro ihres rund 45 Millionen Euro umfassenden Haushaltes erwirtschaftet die Stiftung selbst. 40 Prozent davon stammen bisher aus den Vermietungen. Diese Zahl soll größer werden.

Anfragen bei der Schlösserstiftung unter Tel. 0331/9694-0. Schloss Caputh hat die Tel. 033209/76924

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