Boxen : Fesche Truppe

Brandenburgs Polizei wechselt von Grün auf Blau. Jetzt testen die ersten Landkreise die neue Uniform

Thorsten Metzner

Wünsdorf - Zwanzig Brandenburger Polizisten haben sie schon, die dunkelblaue neue Uniform. Vergangene Woche hat sie Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) in Wünsdorf – Sitz des für Logistik und Ausstattung zuständigen Zentraldienstes der Polizei – an zwanzig Beamte aus der Prignitz und der Lausitz übergeben. Schönbohms Kommentar nach fachmännischer Begutachtung: „Das fühlt sich an wie mein Tennishemd.“ Soll heißen: gut.

Es ist nicht nur das Gefühl. Es sind nicht nur die „atmungsaktiven“, ja sogar „geruchshemmenden“ Stoffe. Die neue Kollektion „police-wear“ (Originalzitat) für Brandenburgs Ordnungshüter würde ohne die Inschriften „Polizei“ an Hemdkragen oder Gürteln, ohne das Hoheitssymbol an den Ärmeln und dem Abzeichen wohl glatt als Freizeitlook durchgehen. Ein bisschen amerikanisch sieht die Uniform ohne Bügelfalten aus, sportlich, peppig. Ist das nicht schon zu viel Zeitgeist für einen Konservativen wie Schönbohm? Ach was, er finde die neuen Uniformen, die die traditionellen grün-beigen „aus den 70er Jahren“ ablösen werden, sehr gelungen. Schließlich müsse man mit der Zeit gehen, außerdem soll es für die Polizisten bequem sein, und die europäische Polizeifarbe sei nun einmal blau. Und bei den silber-blauen Polizeiwagen sei Brandenburg ja auch schon Trendsetter gewesen.

Offen ist noch die Mützenfrage: Zwei blaue Designmodelle stehen zur Auswahl, eine traditionell ovale (die Schönbohm besser gefällt) oder eine Mütze mit acht Ecken (die offenbar die Polizisten eher bevorzugen). „Ich finde die achteckige besser. Die andere ist so preußisch-deutsch“, sagt beispielsweise Udo Becker, Leiter des Schutzbereiches Prignitz. Dort und in der Polizeiwache Calau in der Lausitz sollen die neuen Uniformen, die Brandenburg als erstes ostdeutsches Bundesland einführt, nämlich noch bis zum Frühjahr 2007 von 400 Beamten einem gründlichen „Praxistest“ unterzogen werden, ehe über die landesweite Einführung beschlossen wird.

Bis dahin haben Brandenburgs Polizisten außerhalb der blauen Testgebiete aber weiterhin nur die traditionell grünen Uniformen zur Auswahl, wenn sie im polizeiinternen „Onlineshop“, einem elektronischen Warenhaus, ihre Ersatzmützen, Hosen, Schuhe oder Hemden bestellen. Jeder hat beim Shoppen ein „virtuelles“ Jahresbudget von 150 Euro. Das Zentrallager in Wünsdorf, wo dies alles organisiert wird, verlassen pro Jahr 20 500 Pakete. Der größte Renner? „Im vergangenen Jahr wurden 44 000 Paar Socken verkauft.“

Die Umstellung der Brandenburger Polizei auf Blau wird eine etappenweise Operation. Es wird nach den bisherigen Planungen nämlich drei bis vier Jahre dauern, bis tatsächlich alle 6300 Polizisten blau tragen. Um Kosten zu sparen, ist der Weg der „Ersatzbeschaffung“ vorgesehen. Erst wenn die alte grüne Uniform eines Beamten verschlissen ist, wird für ihn die neue blaue angeschafft, so dass in der Übergangszeit grün und blau gewandete Polizisten nebeneinander Streife gehen werden. Eines darf aber als sicher gelten: Einen kreativ-modischen Mix aus grüner Hose und blauer Uniformjacke wird Innenminister Jörg Schönbohm – da bleibt er ganz konservativ – nicht zulassen. Wichtig ist laut Schönbohm aber vor allem eines: „Polizisten müssen nicht peppig, sondern gut sein.“

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