Boxen : Flucht mit geschnitzten Plastikschlüsseln

WERNER SCHMIDT

BERLIN/POTSDAM .Die Flucht des Untersuchungshäftlings Sergej Serow nimmt immer skurrilere Züge an: Vermutlich ist dem russischen Schwerkriminellen der Ausbruch aus der Potsdamer Justizvollzugsanstalt mit Hilfe von selbstgeschnitzten Schlüsseln gelungen, mit denen er nicht nur seine eigene Zelle aufschloß, sondern auch die Luke aufs Dach, von dem aus er sich Sonnabend nacht in die knapp vier Tage währende Freiheit abseilte.Wie berichtet, wurde der Entführer des Gastwirtsohnes Matthias Hintze am Mittwoch nachmittag in einer Wohnung an der Gaudystraße 4 in Prenzlauer Berg überwältigt.

In dieser Wohnung seien auch verschiedene geschnitzte Schlüsselbärte aus Plastikmaterial gefunden worden, die Serow vermutlich benutzte, um die Türen auf seinem Fluchtweg zu öffnen.Möglicherweise habe Serow die Schlüssel aus einer Toilettenbrille gefertigt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Potsdamer, Monika Haag.Ob er damit auch die Tür seinen eigenen Zelle öffnete, werde noch geprüft.Von innen habe er sie auf keinen Fall öffnen können, denn das Schloß sei von der Zellenseite nicht zugänglich.Vorstellbar ist aber nach Auskunft von Monika Haag, daß Serow durch die sogenannte Medikamentenluke - im Gefängnisjargon "Futterluke" - langte und mit Geschick und vielleicht einem Werkzeug die Tür von außen aufschloß.Serow behauptete, er sei am Sonnabend abend regulär in seine Zelle eingeschlossen worden.

Bei den Ermittlungen im Gefängnis nach der Flucht Serows stieß die Polizei bei einem Häftling auf ein Funktelefon, daß dieser von Serow erhalten haben will.Allerdings sei das Telefon wegen einer ungültigen Telefonkarte unbrauchbar gewesen.Woher Serow das Telefon hatte, ist nicht geklärt.Es soll nun kriminaltechnisch nach möglicherweise gespeicherten Telefonnummern untersucht werden.

Über seinen Fluchtweg in der Nacht zu Sonntag hat sich Serow bisher nicht geäußert.Er sagte lediglich, er sei mit einem Taxi nach Berlin gefahren.Sein Ziel nannte er nicht und der Taxifahrer konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.Gerüchte und Spekulationen, wonach sich Serow und sein Gastgeber aus Prenzlauer Berg aus gemeinsamer Haftzeit kannten, wies Monika Haag zurück.Überprüfungen hätten ergeben, daß beide weder in Potsdam noch in Berlin zur selben Zeit im selben Gefängnis inhaftiert waren.

Wie berichtet, hatte ein 36jähriger Mann den völlig durchfrorenen und hungrigen Serow am Dienstag abend auf dem Gerüst eines Sanierungshauses an der Schönhauser Allee entdeckt.Ohne zu wissen, daß es sich um den Ausbrecher handelte, nahm der Berliner Serow mit und quartierte ihn in der Wohnung seines derzeit abwesenden Bruders ein.Erst am folgenden Tag erkannte er den gesuchten Schwerverbrecher anhand von Fahndungsfotos in den Zeitungen.

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