Boxen : Flughafen Drewitz tritt in Konkurrenz zu Schönefeld

Amerikanische Airportbetreiber wollen Drehkreuz für Frachtverkehr bauen Landesregierung sieht dafür aber keinen Bedarf, und Anwohner fürchten Lärm

Claus-Dieter Steyer

Drewitz - Die seit Jahren geplante Übernahme des Regionalflugplatzes in Drewitz durch ein US-amerikanisches Unternehmen ist perfekt. Nach zehnstündiger Verhandlung verkündete der Landrat des Kreises Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD), die aus seiner Sicht „sehr erfreuliche“ Vereinbarung mit den Airportbetreibern in Erie im westlich von New York gelegenen Bundesstaat Pennsylvania. Sie wollen den einstigen NVA-Flugplatz zum Drehkreuz für Luftfracht ausbauen.

Über finanzielle Leistungen der Amerikaner sei Stillschweigen vereinbart worden, heißt es nun. In der Vergangenheit war von einer Investitionssumme von rund 35 Millionen Euro die Rede. Der Landkreis Spree-Neiße zahlte bisher jährlich rund 200 000 Euro als Zuschuss für den Flughafenbetrieb, die er nun einspart.

Allerdings kämpft eine Bürgerinitiative gegen die Pläne. Sie befürchtet erhebliche Lärmbelästigungen durch den 24-Stunden-Betrieb und eine Störung des Tourismus im nahen Spreewald. Auch das Brandenburger Infrastrukturministerium äußert sich noch zurückhaltend. Es verweist auf den Grundsatz der Landesplanung, sämtlichen bedeutenden Flugverkehr auf den künftigen Großflughafen in Berlin- Schönefeld zu konzentrieren.

Erstmalig war das Projekt einer „transatlantischen Luftbrücke“ im Jahre 2002 bekannt geworden. Der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU), mittlerweile im Zusammenhang mit dem gescheiterten Projekt einer Chipfabrik in Frankfurt (Oder) unter Korruptionsverdacht stehend, hatte euphorische Erwartungen geweckt. Bis zu 500 Beschäftigte sollten auf dem Flugplatz ihr Auskommen finden. Viele weitere Jobs sollten in der Umgebung des ehemaligen Jagdbomber-Fliegerhorstes entstehen, der gleich für rund fünf Millionen Euro ertüchtigt wurde. Der Tower erfüllt schon jetzt internationale Ansprüche. Damit ab 2008 große Maschinen in Drewitz starten und landen können, muss die Rollbahn von jetzt 2500 auf 3500 Meter verlängert werden. Die Baugenehmigung dafür setzt ein Raumordnungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung voraus.

Nicht nur die Anwohnerproteste dürften der für das Flughafenprojekt gegründeten Erie-Drewitz-International GmbH Schwierigkeiten bereiten. Das Infrastrukturministerium sieht keinen Bedarf für einen speziellen Frachtflughafen in Brandenburg, da die meisten Güter an Bord von Passagierflugzeugen transportiert werden. „Sie müssen uns nachweisen, dass dieser Bedarf tatsächlich besteht“, erklärt Lothar Wiegand, Sprecher des Brandenburger Infrastrukturministeriums. „Die Landesplanung soll die Belastungen der Bürger durch Flugverkehr möglichst gering halten. Deshalb besitzt Schönefeld absolute Priorität.“ Aus diesem Grund erhalte auch der Landeplatz Neuhardenberg keine Genehmigung dafür, Verkehrsflughafen des Billigfliegers Ryanair zu werden.

Auch das Argument von Landrat Friese, in Drewitz einen unbeschränkten Nachtflugverkehr anzubieten, überzeugt das Ministerium nicht. „Der ist auch für Schönefeld vorgesehen“, sagt Sprecher Wiegand. Bis Mitte nächsten Jahres wird die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes über die Klagen gegen die Baugenehmigung für Schönefeld erwartet. Möglicherweise kippt das Gericht in seinem Urteil den 24-Stunden-Betrieb.

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