Boxen : Flugplatz Schönhagen: Der Airport gerät in Turbulenzen

Rainer W. During

Der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft des Flugplatzes Schönhagen (Landkreis Teltow-Fläming), Gerhard Blex, ist in der vergangenen Woche aufgrund von "Differenzen" vom Dienst suspendiert worden. Indessen teilte die Berliner Firma Vintage Aircraft mit, dass sie gegen die kreiseigene Besitzgesellschaft und den Aufsichtsratschef, Landrat Peer Giesecke (SPD), Anzeige wegen des Mißbrauchs von Fördermitteln erstattet hat. Der Eingang der Anzeige war gestern bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft noch nicht registriert.

Unter Hinweis auf den anstehenden Rechtsstreit will sich Gerhard Blex nicht zu den Vorgängen äußern. Als Schönhagener "Urgestein" hatte er 1990 den erfolgreichen Wandel der einstigen Flugschule der DDR-Gesellschaft für Sport und Technik zum Verkehrslandeplatz nach westlichem Standard vollzogen. Während Giesecke den Ausbau des Flugplatzes zum Luftfahrt-Technologiepark und möglichen Ersatz-Airport für Tempelhof forciert, forderte sein Geschäftsführer vergeblich eine moderate Expansion. Im Frühjahr bereits entzog der Landrat dem Geschäftsführer durch Vorschaltung einer Besitzgesellschaft weitgehend die Kompetenzen. Geschäftsführer der neuen Firma ist in Personalunion der Leiter der Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises, Herbert Vogler.

Indessen steht eine mit EU-Fördermitteln errichtete Halle seit ihrer Fertigstellung im Januar leer. Der monatliche Mietausfall liegt nach Schätzungen aus Luftfahrtkreisen bei rund 15 000 Mark. Die Vermietung als Flugzeuggarage scheiterte am Einspruch von Vintage Aircraft, die am Flugplatz Strausberg eigene Hallen betreibt, für die keine Förderung gewährt wurde. Weil in Schönhagen auf die ursprünglich geplante Integration eines Abfertigungsgebäudes verzichtet wurde, darf die Halle nach den Förderrichtlinien nur für die befristete Unterbringung von Gewerbe-Neugründungen genutzt werden. Jetzt baut der Kreis aus Eigenmitteln einen neuen Flugzeughangar.

Herbert Vogler weist den Vorwurf der Vintage-Inhaber Hans-Joachim Adomatis und Patrick Villiers, dass 15 Millionen Mark in den Sand gesetzt wurden, zurück. Einschließlich des geplanten Innenausbaus werde die noch leere Halle rund drei Millionen Mark kosten. 2001 sollen hier Firmen einziehen, drei Vorverträge seien geschlossen. Vintage verbreite "Halbwahrheiten und Lügen", man prüfe eine Unterlassungsklage.

"Herr Blex ist ein ausgewiesener Fachmann und hat seine leitenden Aufgaben aus meiner Sicht zur vollen Zufriedenheit erfüllt", so die Vorsitzende der CDU-Opposition im Kreistag, Birgitt Reiche. Der Landrat habe "ganz schöne Visionen", doch müsse beim Ausbau und der Ausgabe "von Geldern, die man noch nicht hat", eine "langsamere Gangart" eingelegt werden. Viele Anliegerfirmen seien von der undurchsichtigen Expansionspolitik verunsichert.

Derzeit läuft bereits die Umweltverträglichkeitsprüfung für eine weitere Verlängerung der Startbahn und den Bau eines Instrumenten-Landesystems. Sie gilt wegen der sensiblen Lage des Airports als problematisch. Im Verkehrsministerium betrachtet man die Entwicklung des Flugplatzes mit Sorge. "Wir sehen viele Entwicklungen gefährdet und haben den Landrat und die Fördergesellschaft in mehreren Gesprächen auf die bestehenden Probleme hingewiesen", so der Leiter des Referats Luftfahrtpolitik, Lutz Wunder. Landrat Giesecke war wegen Urlaubs nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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