Flugroutenstreit : Federn im Triebwerk

Fluglärmgegner wollen die EU-Kommission anrufen, weil die Routen über ein Vogelschutzgebiet führen. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Schallschutz Rangsdorf wirft den Planern vor, das Problem herunterzuspielen.

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Schönefeld/Berlin - Mit den künftigen Flugrouten am neuen Flughafen in Schönefeld soll sich jetzt auch die EU-Kommission beschäftigen. Die Bürgerinitiative Schallschutz Rangsdorf will zusammen mit Naturschutzverbänden innerhalb der nächsten vier Wochen eine Beschwerde in Brüssel einreichen, weil bei einem dichten Vorbeifliegen am Vogelschutzgebiet Rangsdorfer See EU-Richtlinien zum Naturschutz verletzt würden. Zudem warnt der Vorsitzende der Initiative, Robert Nicolai, vor der Gefahr eines Vogelschlags, die am Naturschutzgebiet besonders hoch sei. Bis zu 40.000 Tiere werden dort nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz gezählt; vorwiegend Gänse. Aber auch Kraniche rasten dort. Nicolai wirft den Planern vor, das Problem herunterzuspielen.

Es sei sicher nicht optimal, über ein Vogelschutzgebiet zu fliegen, sagte auch der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. Vor dem Festlegen einer Route müsse deshalb genau untersucht werden, mit welchen Vogelschwärmen in welchen Höhen zu rechnen sei. Nach Nicolais Angaben würden schwere Flugzeuge nach dem Start am Rangsdorfer See erst eine Höhe von rund 500 Metern erreicht haben; Gänse könnten aber bis zu 1000 Meter hoch fliegen, und Kraniche könnten sich sogar zwei Kilometer in die Höhe winden. Im Luftfahrthandbuch der DFS sei der Rangsdorfer See als „Gebiet mit erheblicher Vogelschlag- und Störungsgefahr“ ausgewiesen. Ob ein Vogelschutzgebiet, wo es besonders viele Tiere gebe, grundsätzlich ein Sicherheitsproblem sei, lasse sich pauschal allerdings nicht sagen, fügte Handwerg hinzu. „Wir fliegen immer, wo es auch Vögel gibt“, sagte er. Auch der Münchner Flughafen liegt zum Teil in einem Vogelschutzgebiet.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) verwies darauf, dass es für Vogelschwärme ein Früherkennungssystem gebe. Entdecke ein Pilot einen Schwarm am Himmel, warne er auch die Fluglotsen. Klassische Routen für Vogelzüge seien zudem bekannt. Beim Festlegen der Routen stehe die Sicherheit an erster Stelle.

Ein dichtes Vorbeifliegen am Rangsdorfer See war im Genehmigungsverfahren für den Ausbau Schönefelds nicht vorgesehen. Jetzt wird diese Variante favorisiert, um Flugzeuge parallel von beiden Bahnen starten lassen zu können.

Im April werden Gegner der geplanten Flugrouten nicht mehr nur zu Lande, sondern auch auf dem Wasser protestieren. Am Donnerstagabend informierte das Bündnis „Keine Flugrouten über Berlin“ im Rathaus Zehlendorf über die Geschehnisse der vergangenen Monate. Dabei kündigte der Wassersportler Klaus Schulze einen Bootskorso an. Mit ihm will er gegen Überflüge der Havel, des Wannsees und des Forschungsreaktors im Stadtteil Wannsee protestieren. Am 16. April, einem Samstag, wird Schulze vom Stößensee über die Oberhavel in den Wannsee fahren. „Ich hoffe auf mehr als hundert Boote“, sagte er. Bisher hat er nach eigenen Angaben zehn bis zwanzig Mitstreiter gefunden.

Zu dem Informationsabend waren rund 350 Zehlendorfer gekommen – mehr als Sitzplätze vorhanden waren.

Am Sonntag findet von 16 Uhr bis 18 Uhr im Schönefelder Flughafengebäude eine Demonstration gegen die geplanten Flugrouten statt. Die Veranstalter rechnen mit etwa 25 Teilnehmern. Die nächste große Demonstration in Schönefeld ist für den 10. April geplant.

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