Boxen : Flugzeugabsturz in Obstgarten stellt Experten vor Rätsel

RAINER W.DURING

ORANIENBURG .Ein Flugzeugunglück, das sich am Sonntag abend in Hoppenrade (Kreis Oberhavel) ereignete, gibt der Polizei und den Experten der Bundesstelle für Fluggunfalluntersuchung (BFU) Rätsel auf.Die Leiche des Piloten, des 35jährigen Bodo S.aus Berlin, wurde sechs Kilometer vom Absturzort entfernt aufgefunden.Es wird nach bisherigen Erkenntnissen nicht ausgeschlossen, daß der Mann in selbstmörderischer Absicht aus der fliegenden Maschine in die Tiefe gesprungen ist.

Bodo S.hatte die viersitzige Cessna 172, die der Flugschule Helm gehörte, abends auf dem Flugplatz Bienenfarm bei Paulinenaue (Kreis Havelland) gemietet und erklärt, er wolle nur ein paar Platzrunden drehen.Gleich nach dem Start um 20.16 Uhr muß er dann jedoch auf Steigflug in Richtung Nordost gegangen sein.Kurze Zeit später erschien auf den Radarschirmen der Tempelhofer Fluglotsen eine unbekannte Maschine, die sich, ohne Funkkontakt mit der Leitstelle aufzunehmen, in rund 3 000 Metern Höhe in Richtung Löwenberg (Kreis Oberhavel) bewegte und den kontrollierten Luftraum dann im Sinkflug wieder verließ.

"Wir hörten das Geräusch eines stotternden Motors", berichtete Ursula Wojewoda aus Löwenberg.Um 20.42 Uhr rasierte die abstürzende Cessna in Hoppenrade auf etwa drei Meter Breite das Ziegeldach eines Schuppens ab und stürzte in den Garten eines an der Hauptstraße stehenden Einfamilienhauses.Die Maschine explodierte beim Aufschlag und brannte völlig aus.Den Piloten fanden die Rettungsmannschaften der Freiwilligen Feuerwehr nicht in den Trümmern.Auch eine erste Absuche der Umgebung durch die Polizei blieb ergebnislos.

Gestern im Morgengrauen bot sich am Unfallort, der rund 50 Kilometer Luftlinie vom Startplatz entfernt liegt, ein Bild der Verwüstung.Von dem Flugzeug war nur ein verkohlter Haufen von Metallteilen übriggeblieben, aus dem noch der verbogene Propeller ragte.Ein Teil des Fahrgestells der Cessna war rund 25 Meter weit in den benachbarten Gemüsegarten geschleudert worden.Die Bewohner des unversehrt gebliebenen Hauses standen unter Schock und hatten die Polizei gebeten, niemanden auf das Grundstück zu lassen.Mit über 100 Beamten, sieben Diensthunden und drei mit Wärmebildkameras ausgerüsteten Hubschraubern nahm die Polizei die Suche nach dem Piloten auf.Ein beim Start mitgeführter Rucksack hatte zunächst zu der fälschlichen Hoffnung geführt, S.könnte einen Fallschirm mitgeführt und seinen Absprung überlebt haben.Seine Leiche wurde am gestrigen Montag gegen zehn Uhr auf einer knapp sechs Kilometer von der Absturzstelle entfernten Waldlichtung zwischen den Orten Seebeck und Glambeck entdeckt.

Eine erste Untersuchung des Wracks ergab keine Hinweise auf einen technischen Defekt.Gegen einen versehentlichen Sturz aus der Maschine spricht, daß auch die Türschlösser funktionstüchtig waren.Offensichtlich ist die intakte Maschine nach dem Absprung von S.noch mehrere Kilometer steuerlos weitergeflogen, bevor sie in unkontrolliertem Zustand abstürzte."Jeder Pilot versucht, in einer Gefahrensituation bis zuletzt die Maschine noch zu landen", sagte Flugsicherheitsinspektor Jens Eisenreich von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.Eine nahe Wiese hätte sich für eine Notlandung angeboten.

Konkrete Anhaltspunkte für eine Selbsttötungsabsicht von Bodo S.liegen nach Angaben von Rudi Sonntag, Sprecher des Oranienburger Polizeipräsidiums, allerdings nicht vor.Der Berliner war nach Angaben des Flugschul-Besitzers Willi Helm dort erstmals vor etwa zwei Jahren erschienen, hatte eine gültige Pilotenlizenz vorgewiesen und regelmäßig Maschinen gechartert.

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