Boxen : Folgen des neuen Kita-Gesetzes: Unruhe im Zwergenland

Simone Leinkauf

Wenn Antje Senf um 8 Uhr einen Auswärtstermin hat, dann wird es für die Marketingleiterin der Babelsberger Studiotour eng. Vor kurzem konnte sie den vierjährigen Hendrik auch mal um 6 Uhr in die Kindertagesstätte bringen; seit Januar 2001 öffnen sich die Türen des "Zwergenlandes" in Babelsberg erst eine halbe Stunde später - Folge des neuen Kita-Gesetzes.

Dabei ist das Zwergenland von den drastischen Folgen der Neuregelung bislang noch verschont geblieben: Nur neun der insgesamt 58 Kinder nehmen den Regelbetreuungsanspruch von sechs Stunden wahr, der Rest der Kinder bleibt acht oder zehn Stunden in der Kita. Und da sich der Personalschlüssel an den Betreuungsstunden der Kinder orientiert, halten sich die personellen Kürzungen in Grenzen. Hinzu kommt, dass zwei der insgesamt sieben Erzieherinnen demnächst in Mutterschutz und anschließend in Erziehungsurlaub gehen und die Kolleginnen unter diesen Umständen weiterhin voll beschäftigt sind.

Das wäre allerdings anders, wenn alle in den kommenden Monaten ganz normal weiter arbeiten würden, betont die Kita-Leiterin Katrin Hafemann. Stundenreduzierungen ihrer Wochenarbeitszeit müssten dann alle sieben hinnehmen, um die Kündigung einer von ihnen zu umgehen. Antje Varga, Mitglied im Landeselternbeirat für Kindertagesstätten im Land Brandenburg, weiß bislang noch von keiner Kündigung in der Landeshauptstadt, die unmittelbar mit dem neuen Kita-Gesetz zusammenhängt. Die meisten Einrichtungen bemühen sich, das bisherige Angebot aufrecht zu erhalten.

Noch deutlicher spürbar als in den Kindertagesstätten sind die Folgen der Gesetzesänderung in den Horten. Manches Kind sitzt im Frühhort allein am Frühstückstisch und nach 15 Uhr spielen nur noch wenige Kinder im Garten: Die Reduzierung des Regelanspruchs auf eine tägliche Betreuungszeit von vier Stunden, die auch nur noch für Kinder bis zur vierten Klasse gilt, führt hier zu einem enormen Personalüberhang.

In größeren Einrichtungen, wie in der Kita Sonnenblick in Großziethen, wo derzeit 39 Kita- und 113 Hortkinder betreut werden, ist es inzwischen üblich, dass wegen der Personallage nach 16 Uhr alle noch verbleibenden Kinder zwischen drei und zehn Jahren in einer Gruppe zusammengefasst werden. Die Leiterin im Sonnenblick, Ursula Langer, sieht die Gefahr, dass die Kita auf diese Weise immer mehr zur reinen Aufbewahrungsstätte wird. Die Hortkinder werden zu Schlüsselkindern.

Erst- und Zweitklässler, die morgens schon eine Stunde im Frühhort verbringen, haben um 14 oder 15 Uhr ihr Betreuungsbudget von vier Stunden erreicht. Und da jede weitere Stunde teuer dazugekauft werden muss, sitzen viele dieser Kinder dann auf der Straße oder daheim vor dem Fernsehgerät. SIMONE LEINKAUF

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