Forschung : Wirtschaftsforscher loben Gesundheitsstandort Buch

Das Gutachten über die Vorwürfe zur Kooperation zwischen Charité und Buch liegt vor. Klinik und Forschungszentrum sollen 3000 Arbeitsplätze in Berlin sichern.

Liva Haensel

BuchLob und Tadel liegen am Klinik- und Forschungszentrum in Berlin-Buch zur Zeit eng beieinander. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bezeichnet den Standort mit seinen medizinischen Forschungzentren und dem Klinikum in einem gestern veröffentlichten Bericht als zukunftsträchtigsten in Berlin. Allein 320 Millionen Euro wirtschaftliche Nutzeffekte bringe Buch jährlich hervor - und sichere damit rund 3000 Arbeitsplätze außerhalb des Standortes. Buch brauche eine " nachhaltige politische Unterstützung", heißt es. Eine Aussage, die in Kontrast zu negativen Schlagzeilen der vergangenen Monate steht. Seit November 2007 häuften sich die Vorwürfe, dass die Charité durch eine unklar definierte Zusammenarbeit mit dem privaten Helios Klinikum in Buch unsaubere Finanzgeschäfte betrieben habe. Ein vom Senat in Auftrag gegebenes Gutachten, das die Vorwürfe klären soll, wird heute den Fraktionen im Abgeordnetenhaus zugeleitet.

In Buch arbeiten 4 700 Menschen in der klinischen Forschung, Medizintechnik und Krankenversorgung. Die Charité ist in Buch seit 2001 mit Ärzten für die Forschung im Einsatz, der Klinkikonzern "Helios" behält sich dort die Krankenversorgung vor. Das Land unterstützt den Standort jährlich mit 12,6 Millionen Euro.

Die Vorwürfe betreffen den Einsatz von Charité-Ärzten in Buch, die dort für Studienzwecke eingesetzt waren. Sie hatten Patienten der Helios-Klinik bis 2005 Medikamente und Transfusionen verabreicht und damit auch Kranke versorgt. Für diesen "forschungsbedingten Mehraufwand", so die Charité, sowie für Strom- und Reinigungskosten zahlte das Universitätsklinikum eine Million Euro an Helios. Der Konzern bekommt seine Ärzte aber bereits von den Krankenkassen finanziert, während die Charité-Ärzte schon vom Land Berlin bezahlt werden.

FDP und Grüne hatten der Charité vorgeworfen, sie habe die Krankenversorgung in Buch durch 15 Millionen Euro Steuergelder quersubventioniert. Wissenschaftssenator Zöllner geriet unter Druck und setzte die Beraterfirma Price Waterhouse Coopers ein. Diese prüfte die Zusammenarbeit zwischen Charité und Helios. Das Gutachten ist nun fertiggestellt. Kommenden Mittwoch will der Hauptausschuss des Parlaments darüber diskutieren. Auch der Landesrechnungshof will sich gegebenenfalls einschalten.

Politiker aller Fraktionen erwarten das Ergebnis mit Spannung. Lisa Paus von den Grünen befürchtet, dass das Gutachten zu Gunsten der Charité ausfällt: "Zöllner sitzt im Aufsichtsrat der Charité. Es ist zweifelhaft, dass die Ergebnisse die Wahrheit ans Licht bringen."

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