Frau des Ex-Bürgermeisters : Vermisste aus Ludwigsfelde offenbar ermordet

Die Leiche der 67-jährigen Ehefrau des früheren Bürgermeisters von Ludwigsfelde wurde am Freitag in einem Waldstück entdeckt. Die Ermittler erhoffen sich jetzt Erkenntnisse und Spuren durch den Wagen der Frau.

Bei der am vergangenen Freitag in einem Waldstück in der Nähe von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) gefundendenen Leiche, handelt es sich nach Informationen aus Ermittlerkreisen vermutlich um Brigitte Scholl, die 67 Jahre alte Ehefrau des früheren Bürgermeisters der Stadt, Heinrich Scholl (SPD).

Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt jetzt wegen Mordes. Es lägen klare Hinweise auf ein Gewaltverbrechen vor, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Montag. Offiziell bestätigen wollte er die Identität der Toten aber nicht. Ein Polizeisprecher sagte: „Die Wahrscheinlichkeit ist da.“ Gewissheit soll jetzt eine DNA-Analyse bringen, deren Ergebnisse am Mittwoch vorliegen sollen.

Brigitte Scholl war seit Donnerstagabend vergangener Woche als vermisst gemeldet. Zuletzt war sie – wie üblich – mit ihrem Auto und ihrem Hund unterwegs. Nach der Vermisstenanzeige hatten Beamte die Leiche dann bei einer systematischen Suche entdeckt. Auch ihr Hund, ein hellbrauner Cocker Spaniel, wurde tot neben der mit Gehölz bedeckten Leiche gefunden.

Die Ermittler erhoffen sich jetzt Erkenntnisse und Spuren durch den Wagen der Frau. Der silberner C-Klasse-Benz war am Sonnabend in Ludwigsfelde nach dem Hinweis eines Bürgers vor einem Mehrfamilienhaus in Ludwigsfelde gefunden worden. Der Wagen werde jetzt Stück für Stück untersucht, sagte ein Polizeisprecher. Bislang ist noch unklar, ob die Frau in Begleitung einer anderen Person unterwegs war. Derzeit gehen bei der Polizei zahlreiche Hinweise ein.

Brigitte Scholl betrieb in Ludwigsfelde einen Kosmetiksalon, sie war bei den Bürgern sehr beliebt und engagierte sich für soziale Projekte. Ludwigsfelder berichten, Scholl sei regelmäßig mit ihrem Hund in dem Waldstück nahe der Stadt unterwegs gewesen und dabei gesehen worden.

Derzeit ermittelt die Polizei noch gegen Unbekannt. Scholls Ehemann, der von 1990 bis 2008 Bürgermeister in Ludwigsfelde war, steht nicht im Visier der Ermittler. Einen Zusammenhang mit einem Korruptionsverfahren gegen den Ex-Bürgermeister sieht die Polizei bislang nicht. Gegen ihn, wie auch gegen den Landrat von Teltow-Fläming ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin. Noch im Januar soll Anklage erhoben werden.

Beide Politiker sollen von einem Investor jeweils zu kostspieligen Essen im Wert eines vierstelligen Betrages eingeladen worden sein. Es geht um den Verdacht der Vorteilsannahme. Beide Beschuldigte haben die Vorwürfe bisher stets bestritten.

Bei Scholl prüfen die Ermittler einen Bezug zu mehreren Bauprojekten, die ein regional bekannte Baulöwe im Auftrag der Stadt übernommen hat. Konkret geht es etwa um das Waldstadion, in dem der Bauunternehmer für 1,8 Millionen Euro eine Tribüne mit 300 Sitzplätzen errichtet hat – offenbar zu einem auffällig günstigen Preis.. Eingeweiht worden war der Bau im Jahr 2009, ein Jahr zuvor war Scholl aus Altersgründen nach 18 Jahren aus dem Amt geschieden.

Landrat Giesecke steht im Verdacht, sich im Gegenzug für die teuren Essen dafür stark gemacht zu haben, dass ein denkmalgeschütztes Bauernhaus in Großbeeren den Schutzstatus verliert. Das brandenburgische Kulturministerium erteilte gegen den Protest der Denkmalbehörden eine Ausnahmegenehmigung, das Gebäude wurde im Mai 2010 von dem Investor abgerissen, um dort einen Supermarkt samt Parkplatz zu errichten. Die Staatsanwaltschaft wertet den Vorgang als Bestechung.

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