Boxen : "Freie Heide" setzt Kampf gegen Truppenübungsplatz fort

Claus-Dieter Steyer

Rossow. Die Bürgerinitiative "Freie Heide" kämpft weiter für eine friedliche Zukunft des Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Wittstock. An der nunmehr 72. Protestwanderung gegen die militärische Nutzung des 142 Quadratkilometer großen Geländes seit 1993 beteiligten sich gestern in Rossow mehrere Hundert Einwohner aus umliegenden Dörfern und Sympathisanten aus zahlreichen anderen Orten. Das Ritual unterschied sich nicht von den vorangegangen Veranstaltungen. Treffpunkt war die Dorfkirch, weil die Pfarrer der Region mit den Bürgermeistern nach wie vor an der Spitze der Bewegung stehen, dann folgte die Wanderung an die Grenze des Übungsgeländes.

"Wir sehen nicht ein, dass wir nach den Ereignissen vom 11. September irgendetwas an unserem Protest gegen die Bundeswehr ändern sollten", sagte Pfarrer und Sprecher der Bürgerinitiative, Benedikt Schirge. "Selbst ein so hochgerüstetes Land wie die USA konnte sich nicht vor den Anschlägen schützen." Deshalb sei die weitere Aufrüstung der Armeen keine passende Antwort auf den Terrorismus. Mehr Militär bedeute keineswegs mehr Sicherheit. Teilnehmer der Protestwanderung verwahrten sich gegen Vorwürfe, sie wollten nur ihre Ruhe vor Tieffliegern haben und keinen Beitrag zur besseren Ausbildung von Piloten leisten.

Die Bundeswehr beansprucht das unbewohnte Gelände seit 1993. Kurz zuvor waren die russischen Truppen abgezogen, die den Truppenübungsplatz Anfang der fünfziger Jahre in einer Nacht- und Nebel-Aktion eingerichtet hatten. "Der Lärm des Krieges ging bei uns weiter", schilderte Bürgermeister Helmut Schönberg aus Schweinrich die Belastungen. "Tag und Nacht flogen die Maschinen und warfen ihre Übungsbomben ab." Nach der Auflösung der russischen Garnison hätten die Einwohner deshalb auf eine touristische Zukunft der Kyritz-Ruppiner Heide gehofft.

Anfangs unterstützte die Bundeswehr noch die Pläne, ehe das Verteidigungsministerium einen neuen Kurs einschlug. Die Heide bei Wittstock sollte die beiden in Niedersachsen und Bayern befindlichen Tiefflug-Übungsplätze entlasten. Ohne Rücksprache mit den betroffenen Gemeinden wurde das Gelände abgesperrt. Die Bürgerinitiative "Freie Heide" begann ihren Widerstand.

Als vorläufigen Höhepunkt ihres Kampfes feierte sie das kürzliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes. Es befand die Aufrechterhaltung des Übungsplatzes als unzulässigen Eingriff in die territoriale Hoheit von zwei Anliegergemeinden. Erst müsse die Bundeswehr ein "förmliches Planungsverfahren" mit der Anhörung aller Betroffenen abhalten. Dieses soll nun bald beginnen.

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