Freigabe : Jetzt dürfen Radler in Parks der Schlösserstiftung

Der Protest von Bürgern hat gewirkt: Die Schlösserstiftung lockert das Fahrverbot für Parks in Potsdam und am Schloss Charlottenburg.

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Endlich durchtreten. Die Stiftung Schlösser und Gärten zeigt ein Einsehen mit Radfahrern. Neuerdings dürfen sie auch im Park von...dpa-Zentralbild

Potsdam – Endlich steht der Lust auf eine Radtour nichts mehr im Wege. Die Temperaturen steigen, die Wege sind frei von Schnee und Eis und die Natur dürfte nach dem langen Winter eine große Aufholjagd starten. Zwei Wochen befinden sich die Pflanzen nach Meinung von Landwirten im Vergleich zu den Vorjahren im Rückstand. Die Radler in Brandenburg können das Erwachen der Krokusse und Narzissen auf neuen Wegen erleben.

„Radeln erlaubt“, heißt es überraschend in den königlichen Parks in Potsdam. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat ihren Widerstand gegen die Radfahrer im Unesco-Weltkulturerbe zumindest teilweise aufgegeben. Starke Bürgerinitiativen, die mehr als 5000 Unterschriften gegen das vor einigen Jahren eingeführte Radfahrverbot gesammelt und Klagen vor Gericht geführt haben, veranlassten sie zu einer Umwandlung der Ausnahmeregelung in eine dauerhafte „Allgemeinverfassung“.

Demnach können Touristen, Studenten und Einheimische beinahe durchgehend in die Pedalen treten. Freigegeben sind im Park Sanssouci der Ökonomieweg zwischen dem Eingang am Grünen Gitter in der Nähe des Luisenplatzes, dem Chinesischem Haus und dem Neuen Palais sowie vom Palais zum Nord- und Südtor. Im Sommer sind Wege zwischen 6 und 21 Uhr und von November bis Februar von 8 bis 17 Uhr frei. Mit der kleinen zeitlichen Begrenzung will die Schlösserstiftung lediglich der Unfallgefahr vorbeugen. „Die Wege sind unbeleuchtet und oft sehr schmal“, sagte ein Stiftungssprecher. Bei Stürzen oder Zusammenstößen müsste das Unternehmen ansonsten Schadenersatz leisten. Dafür organisiert es für die Radfahrer die rechtzeitige Öffnung der Parktore, die eigentlich bis 8 Uhr geschlossen bleiben. „Damit kommen wir vor allem jenen entgegen, die die Parks auf ihrem Weg zur Arbeit oder zur Universität nutzen“, heißt es von der Stiftung. „Das ist die größte Gruppe der Radfahrer.“ Im Neuen Garten ist der Ökonomieweg vom südlichen Haupteingang an der Alleestraße bis zur Meierei im nordwestlichen Zipfel sowie vom Haupteingang zum südlichen Eingangstor an der Gotischen Bibliothek offen. Auch der bislang gesperrte Uferweg am Jungfernsee von der Schwanenallee bis zur Meierei kann nun befahren werden. Das trifft im Park Babelsberg für den Weg entlang dem Wasser vom Osteingang bis zum Eingang Havelhaus zu.

Im Schlosspark Charlottenburg ist das Radfahren seit zwei Jahren auf zwei Strecken erlaubt. Dazu gehören der Uferweg als Teil des Spreeradweges zwischen Mitte und Spandau und die Verbindung von der Orangerie (links vom Schloss) zur Spree.

Bislang wurden Verstöße in Potsdam gegen das Radfahrverbot in den königlichen Parks mit Bußgeldern um die 35 Euro geahndet. Allerdings weigerten sich viele Ertappte, die Strafe auch zu zahlen. Von den einstigen Argumenten der Stiftung für ein Fahrradverbot, das teilweise sogar das Schieben einschloss, ist heute nichts mehr zu hören. „Nicht nur die Schlösser, sondern auch die Gärten und Parkanlagen sind Kunstwerke, deren Genuss nicht durch Radfahrer gestört werden darf“, hatte der Generaldirektor, Professor Hartmut Dorgerloh, stets betont. Es gebe genügend andere Parks und Radwege. Das stimmt zweifellos. Allein das Brandenburger Radfahrnetz ist auf rund 7 000 Kilometer Länge angewachsen.

Davon führen zahlreiche Strecken auch durch Potsdam, was den Veranstaltern des ersten Fahrradkonzertes am 20. Juni sehr entgegenkommt. Im Rahmen der Musikfestspiele können an diesem Tag gleich 13 Konzerte an ganz unterschiedlichen Orten besucht werden. Die Veranstaltungen im Chinesischen Haus, in der Friedenskirche, im Palmensaal im Neuen Garten, in der „Moschee“ an der Havel oder in der Kolonie Alexandrowka dauern jeweils nur 30 Minuten. Als Ausweis gelten ein Tagesticket und ein T-Shirt. „Die Teilnehmerzahl haben wir auf 1 000 begrenzen müssen“, sagte Organisatorin Andrea Palent. „600 Karten sind schon weg.“

Weitere Infos unter Telefon 0331/28 888 28 oder im Internet unter www.musikfestspiele-potsdam.de/fahrradkonzert

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