Boxen : Frühling in Hoppegarten: Die Rennpferde werden unruhig

Ostern beginnt die Galoppsaison. Der Tagesspiegel lädt Leser zum Stallrundgang ein

Ingo Wolff

Hoppegarten. Poccino rüttelt mit dem Gebiss an den Gitterstäben seiner Box. Der braune Hengst ist neugierig und möchte raus. Mit seinen fünf Jahren gehört er schon zur verspäteten Jugend unter den Rennpferden. Doch die Tür bleibt zu. Martin Rölke hat seine Pferde schon am Morgen laufen lassen. Nun müssen sich die Spitzensportler ausruhen. Es ist Mittagspause. Martin Rölke ist einer der alteingesessenen Trainer auf der Galopprennbahn Hoppegarten und lebt mit seinen Pferden auf der Rückseite der Bahn.

Schwer vorstellbar, dass der kleine rundliche 58-Jährige mal einer der erfolgreichsten Jockeys in der DDR gewesen ist. Dass er dort der populärste Jockey war, schon eher.

Hier an der Kiefernallee ist es viel schöner als in den alten Kompaktställen. Doch auch die erst vier Jahre alten Ställe haben schon kleine Macken. Es schimmelt an einigen Stellen, weil die Dächer nicht aus Holz, sondern Beton sind. Da kann die Feuchtigkeit nicht abziehen. Aber sonst sind die Ställe schön, immerhin hängt kein Stroh von der Decke, wie bei Roland Dzubasz.

Der 35-Jährige ist der jüngste unter den Trainern, und sein Stall ist mächtig gewachsen in den letzten Wochen. Der Union-Klub als Bahnbetreiber hat die Stallmieten gesenkt. Damit sollen vor allem „kleine“ Trainer und Besitzer ermutigt werden, ihre Pferde im Kompaktstall unterzubringen. Sieben Ställe mit fast 140 Boxen stehen derzeit leer. Die ersten Erfolge gibt es auch schon. Die Zahl der Pferde ist von 175 auf 190 gestiegen. Dzubasz hat als erster dieses Angebot genutzt und seine Boxenzahl fast verdoppelt.

Bei Dzubasz ist jetzt viel los. Am Ende seiner Boxengasse macht Fabiolo Krach. Der Hengst ist zwei Jahre alt und noch ein wenig ungestüm. Es ist Frühling, und die Pferde kommen bei den ansteigenden Temperaturen richtig in Fahrt. Noch müssen sie eine Woche warten, dann werden sie wieder gegeneinander antreten – nicht nur im Training. Es geht um Preisgelder und Prestige. Am Ostersonntag ist der erste Renntag dieser Saison in Hoppegarten.

Fabiolo will, wie alle jungen Hengste, auf sich aufmerksam machen und am liebsten ausbüxen, doch er kommt nicht weit. Seine Pflegerin Barbara Lubenow bürstet gerade sein braunes Fell und hält das Tier fest. Die Frau des ehemaligen Erfolgstrainers Hans Lubenow vertreibt sich hier ihre Zeit.

In der Box gegenüber rüttelt Gaius an der Boxentür. Er schaut mit seinen großen Augen durch die Gitter und hat die Ohren nach vorn gestellt. Er ist schon drei und wird am Ostersonntag mitlaufen. Nur Zauberfee ist noch frühjahrsmüde. Die dreijährige Stute liegt lieber am Boden und ruht sich vom Morgentraining aus. „Eigentlich legen sich Pferde nicht hin", sagt Trainer Eckhart Gröschel, „nur wenn sie jung oder die Strapazen groß sind“. Zauberfee ist jung.

Fast alle Pferde warten noch auf ihren ersten Einsatz. Die Winterpause ist für sie eher langweilig. Außer den vier Pferden von Rölke vor einer Woche in Hannover ist noch kein Pferd gestartet. Fast alle: Pericles war mit Werner Bauermeister in St. Moritz, beim Pferderennen auf zugefrorenem See. Bei diesem außergewöhnlichsten Rennen der Welt lief nie zuvor ein Hoppegartener Pferd.

Noch sind Stallrundgänge nicht öffentlich, aber wenn es viele Interessenten gibt, will der Union-Klub die Stalltore häufiger für Besucher öffnen. Sie können dann auch den Arkona-Stall von Lord FitzGerald besichtigen. Der Engländer hat mit 40 Pferden den größten Stall und war bislang nach der Summe der Preisgelder auch der erfolgreichste Trainer in Hoppegarten. Mit Russian Sumba steht sogar ein Erfolgspferd des Kaffeeunternehmers Albert Darboven im Stall.

Fitzgeralds Pferde sind im modernsten Stallkomplex untergebracht. Wenn jemand um die Ecke kommt, schauen ihre Köpfe wie an einer Schnur aufgereiht gemeinsam aus den Türen. „Sie leben eben wie alle Spitzensportler“, sagt Eckhard Gröschel, „sie schlafen, trainieren, essen und schlafen wieder.“

Der Union-Klub veranstaltet exklusiv für Tagesspiegel-Leser einen Stallrundgang in Hoppegarten. Der Termin steht noch nicht fest. Wer sich dafür interessiert, sendet bitte eine E-Mail mit dem Betreff: Stallrundgang an: berlin@tagesspiegel.de.

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