Boxen : Für die Therme Templin bleibt nur Hoffnung

Stadtverordnete einigen sich auf Erhöhung der Kurtaxe – und wollen wegen der Mängel jetzt Geld von der Versicherung verlangen

Claus-Dieter Steyer

Templin – Zur Rettung des mit vielen Baumängeln behafteten Thermalbades in Templin hofft die Stadt weiterhin auf starke Unterstützung des Landkreises Uckermark und des Landes Brandenburg. Die eigenen Reserven sind sehr begrenzt, klafft im Haushalt doch ein Loch von 4,5 Millionen Euro. Die Reparatur der städtischen Naturtherme würde nach Angaben von Bürgermeister Ulrich Schoeneich 6,5 Millionen Euro kosten. Für weitere drei Millionen Euro soll die Attraktivität der wichtigsten Touristenattraktion der Uckermark erhöht werden.

Auf einer turbulent verlaufenen Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend hatten zwar alle Fraktionen ein Bekenntnis zum Erhalt des Bades abgegeben. Doch es wurde nur ein konkreter Beschluss gefasst: Die Kurtaxe wird ab 2007 von einem Euro auf 1,50 Euro pro Gast und Nacht erhöht. In den vergangenen Jahren brachten diese Beiträge zwischen 150 000 und 200 000 Euro ein. Der Bürgermeister hätte es lieber gesehen, wenn sich das Stadtparlament auch zu einer Fremdenverkehrsabgabe entschlossen hätte. Die kann in jenen Orten erhoben werden, in denen die Zahl der jährlichen Übernachtungen von Touristen die der Einwohner mindestens um das Siebenfache übersteigt. In der 10 000 Einwohner zählenden Stadt Templin ist das längst der Fall, werden hier doch bis zu 400 000 Übernachtungen registriert.

„Von den Gästen profitiert der Bäcker ebenso wie der Zahnarzt und der Hotelier“, meint Bürgermeister Schoeneich. „Diese könnten also durchaus eine Fremdenverkehrsabgabe zahlen. Aber CDU und Mittelstandsvereinigung lehnten diesen Vorschlag ab.“ Nach seiner Auffassung wäre eine Zustimmung vor allem als Signal wichtig gewesen, dass die Stadt selbst etwas zur Rettung der Therme unternimmt. Bis jetzt steht nur fest, dass das Bad im nächsten Jahr von Ostern bis Weihnachten komplett schließen muss.

Solange dauert die Reparatur der undichten Decken, Wannen und Wände. Ein Gutachten stellte 460 Baumängel in dem vor fünf Jahren für 32 Millionen Euro eröffneten Freizeit- und Gesundheitszentrum fest. Von den damaligen Baufirmen ist nicht viel zu holen. Der Generalauftragnehmer hat Insolvenz angemeldet, auch das mit der Projektierung und der Planung beauftragte einheimische Büro ist inzwischen pleite. Heute wissen die Stadtväter, dass es offenbar mit dem Bau überfordert war. Deutschlandweit gibt es nicht mal ein Dutzend Planungsbüros, die spezielle Erfahrungen mit dem Bau von Thermalbädern mit salzhaltiger Sole haben.

Bürgermeister Schoeneich spekuliert jetzt auf eine bislang unangetastete Geldquelle. Die Stadt habe bei der Vergabe der Planungs- und Bauarbeiten auf eine gute Versicherung der Leistung geachtet. Jetzt sei eine Entschädigung fällig, zumal die Mängel durch ein amtliches Gutachten festgestellt wurden.

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