Fußballtrainingslager : Türkiyemspor beklagt ausländerfeindlichen Übergriff

Die B-Jugendmannschaft von Türkiyemspor ist in eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Jugendlichen aus Nordbrandenburg verwickelt worden. Einer der Türkiyemspor-Spieler wurde dabei offenbar mit einem Baseballschläger verletzt.

Ferda Ataman,Alexander Fröhlich

Jugendfußballer des Berliner Klubs Türkiyemspor sind in Nordbrandenburg von rechtsextremistischen Jugendlichen angegriffen worden. "Einem Spieler wurde mit einem Baseballschläger fast der Oberschenkelhalsknochen durchgebrochen", sagte der Jugendkoordinator des Vereins, Adnan Akbaba, dem Tagesspiegel. Bei der Polizei war von leichten Verletzungen wie Hämatomen die Rede, die im Neuruppiner Klinikum behandelt werden mussten. Laut Polizei wurde auch ein Jugendlicher aus Lindow verletzt. Die Spieler des Vereins im Alter von 15 bis 16 Jahren sind seit Sonnabend in Lindow (Ostprignitz-Ruppin), wo sie ein Trainingslager in der Landessportschule abhielten.

Wie es von der Polizei hieß, sind zwölf Fußballer des Kreuzberger Vereins - Deutsche, Türken und einer aus Ghana - am Dienstagabend vor einem Supermarkt von etwa 15 Jugendlichen mit Sprüchen wie "Scheiß-Ausländer" und "Dönerfresse" angepöbelt und angegriffen worden. Allerdings sagte Polizeisprecherin Manja Stolz, "dass von beiden Gruppen Schlagwerkzeuge mitgeführt und eingesetzt wurden".

Türkiyemspor-Sprecherin Susam Dündar-Isik erklärte, die Spieler hätte zum Schutz Stöcke dabei gehabt, diese aber nicht eingesetzt. Die Angreifer hingegen hätten auch Totschläger benutzt. Falls die Spieler handgreiflich geworden seien, dann als Reaktion auf die Provokation. "Unsere Spieler wollten in den Supermarkt flüchten, wurden vom Personal aber nicht hineingelassen."

Der verletzte Spieler, ein 15-Jähriger, sagte dem Tagesspiegel: "Wir sind weggelaufen, dabei bin ich hingefallen. Dann haben die mit einem Baseballschläger auf mein Bein gehauen. Mein Freund hat mich gerettet, bevor der ein zweites Mal zuschlägt. Jetzt kann ich drei, vier Monate nicht spielen." Vereinssprecherin Dündar-Isik meinte, sie habe sich bislang nicht vorstellen können, "dass unsere Spieler so etwas 50 Kilometer von Berlin entfernt erleben".

Bereits am Montagabend war es vor dem Supermarkt zu Übergriffen gekommen. Sieben Spieler wurde von Rechtsradikalen drangsaliert und mit Sprüchen belegt - darunter laut Türkiyemspor Beleidigungen gegen Frauen mit Kopftuch und die Drohung, sie würden die Köpfe der Spieler "in die Gaskammer" stecken. Auch der Hitlergruß wurde gezeigt. Augenzeugen berichteten von einer aggressive Stimmung bei beiden Gruppen. Dubios ist, dass die Spieler auch nach dem Angriff vom Dienstagabend ihrem Trainer nichts erzählten und eine Zeugin die Polizei informierte.

Das Trainingslager brach der Verein ab, ein Bus brachte die Spieler am Abend auf Wunsch der Eltern zurück nach Berlin. "Wer kann uns zusichern, dass wir nicht noch mal angegriffen werden", sagte Jugendkoordinator Akbaba. Bislang sei er mit der Sportschule hochzufrieden gewesen, den Spielern sei nie etwas zugestoßen. Der Geschäftsführer des Landessportbundes Brandenburg, Andreas Gerlach, erklärte: "Das ist der erste Fall dieser Art seit zehn Jahren Sportschule."

Bürgermeister Wolfgang Schwericke (SPD) nannte den Vorfall "tragisch". Er warnte davor, den Angriff zu "dramatisieren". Seit Jahren seien ausländische Sportler zu Gast, "da gab es solche Vorfälle nicht". Probleme mit Neonazis unter den 3200 Einwohnern bestünden nicht. "Die eine oder andere Äußerung gibt es zwar, aber keinen Hang zum Rechtsextremismus." Experten bestätigten, feste rechtsextremistische Strukturen seien nicht erkennbar, Fremdenfeindlichkeit aber verbreitet. Auch Angriffe gab es schon: Im Juli 2005 war ein türkischer Imbissbetreiber in Lindow erst rassistisch beleidigt und dann angegriffen worden.

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