Boxen : Gekratzt, geätzt, bebatikt - und alles für die Fruchtbarkeit

HANNE BAHRA

COTTBUS ."Gib mir ein Ei, gib lieber zwei", steht als Motto über der Ostereierausstellung im Wendischen Museum Cottbus.Mit über 900 Eiern ist es die größte dieser Art in Brandenburg und doch nur der kleinere Teil der über 2500 Stück umfassenden Sammlung des Etnographen Lotar Balke.Seit ihm im siebten Lebensjahr der Glaube an den Osterhasen abhanden gekommen war, bemalte Balke, der Ostern 71 Jahre alt wird, die Eier selbst.In den 50er Jahren begann er, vor allem die der Sorben zu sammeln.1983 zeigte er in seinem kleinen Privatmuseum, der Webstube Drebkau, eine erste Ausstellung von 450 Ostereiern.Heute präsentiert seine bunte Schau den Umgang von mehr als vierzig Ländern auf allen Kontinenten mit dem heidnischen Fruchtbarkeits- und christlichen Auferstehungssymbol.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.Da gibt es Hühner-, Vogel-, Gänse- und Schwaneneier, mit Hufeisen beschlagen, mit Perlen bestickt, mit Binsenmark belegt, mit Stroh beklebt, aus Glas, Metall, Filz, Porzellan, Holz und vielem mehr.Balkes ältestes Ei stammt aus Mähren und wurde 1896 bemalt.Natürlich hat das Ei als Zeichen des Lebens schon weitaus länger Bedeutung.In Worms wurden Steineier in Gräbern aus dem 4.Jahrhundert entdeckt.Der Hase als Monopolist in Sachen Ostern dagegen ist wesentlich jünger.Angeblich versteckt er erst seit dem 16.Jahrhundert Eier.Früher ließ man auch Hahn, Storch, Fuchs und den Kuckuck als Eierleger gelten.Doch als Tier der Liebesgöttin Aphrodite und Begleiter der germanischen Erdgöttin Holda gewann der Hase, der im Frühjahr nichts anderes als seine Häsin im Sinn hat, mit seiner sprichwörtlichen Fruchtbarkeit den Wettbewerb als Überbringer des Symbols neuen Lebens.

Erst seit dem 12./13.Jahrhundert aber gibt es auch Berichte über farbige Eier.Die ältesten Belege bunter sorbischer Eier stammen aus dem 17.Jahrhundert.Balkes Sammellust gilt vor allem der heimatlichen Eiermalkunst.So finden sich in der Cottbuser Ausstellung zahlreiche Beispiele der von den Sorben bevorzugten Kratz-, Ätz-, Wachsbossier- und Wachsbatiktechnik."Die sorbische Lausitz ist eine Brauchtumsinsel geblieben", sagt Werner Meschkank vom Wendischen Museum.In der Ostersonntagnacht brennen noch in etwa 120 Dörfern die Osterfeuer.Ein alter heidnischer Brauch, nach dem das Land fruchtbar wird, so weit der Feuerschein reicht.Über tausend sorbische Osterreiter werden in diesen Tagen die frohe Botschaft der Auferstehung verkünden.

Die Ausstellung im Wendischen Museum, Cottbus, Mühlenstraße 12, ist bis zum 2.Mai dienstags bis freitags von 8.30 bis 17 Uhr, an den Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet.



Zu Ostern raus ins Grüne



Brandenburg bietet sich besonders über Ostern zu einem Ausflug an.Denn in den Naturparks, Tiergärten, Museen oder Künstlerhäusen sind viele Veranstaltungen vorbereitet worden.Eine kleine Auswahl aus dem Programm

Altranft (Norden): Aktionstag im Freilichtmuseum, Sonntag ab 10 Uhr, frische Ostereier von Hühnern aus dem Dorf, Basteleien, Künste der Museumshandwerker, Verkauf von Keramik, Wollprodukten und Schmuck und sowie von Brot aus dem Backofen, Führungen um 11, 13 und 15 Uhr.Tel.03344/41 43 00.

Buckow (Osten): Kurkonzert im Stadtzentrum, Sonntag, 14.30 Uhr, Osterspaziergang mit Musik, Montag, 14 Uhr, Treffpunkt Fremdenverkehrsamt in der Wriezener Straße Tel.033433/575 00.

Reichenow (Nordosten): Osterbrunch am Ostermontag, 10 bis 15 Uhr, jeder Gast erhält ein Osterei, Tel.033437/3080.



Beeskow (Südosten): Mittelaltermarkt auf der Burg, Sonnabend und Sonntag, ab 10 Uhr.

Rheinsberg (Norden): Dampflokfahrt am Sonntag ab 9.42 Uhr Berlin-Lichtenberg.Sonderausstellung im Schloß über Elisabeth Christine, Königin von Preußen, an allen Ostertagen von 9.30 Uhr bis 17 Uhr, Saisonstart der Fahrgastschiffahrt, Tel.033931/2059.

Wiepersdorf (SÜden): Ausstellungseröffnung von Clinton Storm, Blue - Neue Malerei, Sonnabend, 16 Uhr, Konzert um 18 Uhr, Orgelkonzert, Sonntag, 14 Uhr, Führung durch Museum und Kirche, Sonntag, 15 und 16 Uhr, Tel.033746/6990 .

Fretzdorf (Norden): Ostermarsch der Bürgerinitiative Freie Heide, Sonntag, 14 Uhr, Kirche, Tel.033931/2338.

Groß Schönebeck (Norden): Osterfest im Wildpark von Freitag bis Montag, jeweils ab 10 Uhr, Basteleien, Markttreiben, Spiele, Kutschfahrten, Fisch-, Lamm- und Wildgerichte, Sonntag "Große Eiersuche" im ganzen Wildpark, Tel.033393/65855.

Langengrassau (Süden): Ostereierwalen auf dem Höllberghof, Sonntag, ab 11 Uhr, Basteleien, Naturführungen, Osterkuchen aus dem Reisigbackofen.

Schloß Kröchlendorf (Norden): Konzert im grünen Saal des Schlosses, Das Celloquartett des Rundfunksinfonieorchesters Berlin spielt Werke von Pachelbel, Bach und Mendelssohn.Ostersonntag, 18 Uhr, Tel.: 44650540, Kröchlendorf erreicht man über die B 109 Richtung Prenzlau

Motzen (Süden): Folkkonzert von Phil Campbell und Tom McFarland, Sonnabend, 17 Uhr, St.Martins Kirche Motzen, Karten unter Tel.: 033769/850

Wünsdorf (Süden): Am Ostermontag, 15 Uhr, liest Kulturminister Steffen Reiche in der Waldstadt (Haus des Buches und der Geschichte) Geschichten für Jung und Alt.Im Anschluß Ostereiersuchen für die Kleinen.Informationen unter Tel.: 033702/9600

Ste

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