Gentechnik : Kampf ums Maisfeld

Gentechnikgegner wollen am Sonntag Pflanzen mit verändertem Erbgut zerstören. Die Polizei empfängt sie mit einem Großaufgebot.

Sandra Dassler

Altreetz - Bernd Hoffmann ist immer zum Gottesdienst gegangen – sogar zu DDR-Zeiten, als das nicht ganz selbstverständlich war. An diesem Sonntag aber wird der 59-Jährige seiner Kirche fernbleiben. Denn diejenigen, die morgen um zehn Uhr in der evangelischen Kirche Altreetz beten werden, wollen hinterher sein Eigentum zerstören.

Bernd Hoffmann ist Landwirt und er hat auf ungefähr einhundert Hektar genveränderten Mais der Sorte Mon 810 angebaut. Der sogenannte Genmais ist resistent gegen den Maiszünsler, einen Schädling, der in den vergangenen Jahren die Ernte der von Hoffmann geleiteten Agrargenossenschaft dezimiert hat.

Für dieses Wochenende haben Gentechnikgegner aus ganz Deutschland zum Sturm auf Hoffmanns Maisfeld aufgerufen. Bereits gestern Nachmittag waren mehr als hundert Menschen im Camp Neuwustrow im Oderbruch eingetroffen. „Es werden noch einige Hundert dazukommen“, sagte die Sprecherin der Initiative „Gendreck weg“, Jutta Sundermann: „Viele fahren erst Freitagabend und Sonnabend los.“

200 der erwarteten tausend Gentechnikgegner haben bereits namentlich im Internet angekündigt, dass sie Bauer Hoffmanns Genmaispflanzen zerstören werden. Sie nennen das „Feldbefreiung“. Gegen einige von ihnen wurden von den Besitzern der möglicherweise betroffenen Felder einstweilige Verfügungen vor Gericht erwirkt. Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250 000 Euro wird ihnen untersagt, die Maispflanzen zu zerstören. „Bisher wurde mir diese Verfügung noch nicht zugestellt“, sagte Michael Grolm, einer der Initiatoren und Aktivisten der Aktion im Oderbruch. Grolm und andere haben bereits in den vergangenen Jahren Felder zerstört und sind dafür zu Geldstrafen verurteilt worden.

Die meist sehr niedrigen Strafen stünden in keinem Verhältnis zum angerichteten Schaden, meint Uwe Schrader. Er ist Vorsitzender des Vereins Innoplanta, eines Zusammenschlusses von Landwirten und landwirtschaftlichen Unternehmen. Innoplanta hatte die geplanten Feldzerstörungen gestern scharf verurteilt. „Das sind kriminelle Aktionen, die nicht nur das Eigentumsrecht der Landwirte verletzen, sondern den öffentlichen Rechtsfrieden zerstören“, sagte Schrader auf einer Pressekonferenz.

Tatsächlich wird die Polizei des Landkreises Märkisch-Oderland mit einem Großaufgebot im Einsatz sein. Zum einen, um die „Feldbefreiungen“ zu verhindern oder zu verfolgen. Zum anderen, um die zahlreichen Veranstaltungen abzusichern. Zum Einsatz kommen auch Hubschrauber, Hundeführer und berittene Polizei. Im Gegensatz zu ähnlichen Aktionen von „Gendreck weg“ in den Vorjahren rechnet man mit einer „neuen Qualität“. Viele der sogenannten Aktivisten kommen aus dem Ausland und nicht wenige haben auch schon gegen den G-8-Gipfel in Rostock demonstriert. „Da sind auch Chaoten dabei, denen es nicht um den Genmais geht“, heißt es polizeiintern.

Die Veranstalter von „Gendreck weg“ weisen dies entschieden zurück. „Wir kämpfen für ein gentechnikfreies Deutschland“, sagte Sprecherin Sundermann.

Für den Wissenschaftler Klaus-Dieter Jany aus Karlsruhe bedeutet die „undifferenzierte Verteufelung der Gentechnik ein Abkoppeln Deutschlands von der Zukunft“. Jany wies bei der Pressekonferenz der Gentechnikbefürworter darauf hin, dass diese notwendig sei, um beispielsweise Hungersnöte zu verhindern. Außerdem würden die meisten Menschen schon lange Produkte von Tieren konsumieren, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert werden.

Die Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan (FDP) richtete scharfe Kritik gegen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU). Dieser habe aus Karrieregründen eine „unverständliche Kehrtwende“ in Sachen Gentechnik vollzogen. „Plötzlich heißt es, der Genmais könne doch gefährlich sein, obwohl es keinerlei Hinweise darauf gibt“, sagte Kasan. „Damit hat Seehofer den Feldzerstörern eine Steilvorlage gegeben.“

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