Boxen : Geschützte Wildnis: Moore, Seen, seltene Tiere

CLAUS-DIETER STEYER

In der Schorfheide werden ausgewählte Gebiete der Natur überlassenVON CLAUS-DIETER STEYERDie neue Freizeitkarte des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin gleicht einem Flickenteppich.Scheinbar willkürlich sind schraffierte Flächen auf der detaillierten Landkarte des hauptsächlich aus Wald bestehenden Gebietes zwischen Eberswalde, Groß Schönebeck, Templin, Angermünde und Oderberg eingezeichnet worden."Naturschutzgebiet Kernzone" erklärt die Kartenlegende."Sie sind sehr wohl mit Bedacht bestimmt worden", sagt der Chef des 50 Kilometer nördlich Berlins beginnenden Biosphärenreservates, Eberhard Henne."Hier überlassen wir die Natur sich selbst, ungestört vom menschlichen Eingriffen." 2600 Hektar umfassen diese sogenannten Perlen, das sind 2,8 Prozent des gesamten Naturschutzgebietes.Für die Besucher sind sie gesperrt.Sie müssen an Schranken Halt machen.Nur ausgebildete Naturwächter führen ihre Gruppen ab und zu an den Rand dieser Kernzonen, um wenigstens einen Blick auf die sonderbaren Seen, Moore und Waldgebiete erhaschen zu können."Wir werben um Verständnis für unsere rigorosen Absperrungen", erklärt Forstexperte Michael Luthardt bei einem Spaziergang an den Rand einer solchen kernzone bei Ringenwalde.Hier stirbt auf mehreren Stellen der Wald.Stämme liegen kreuz und quer, viele Bäume tragen entweder keine Nadeln oder keine Blätter mehr.Seit 1990 haben Waldarbeiter um diese Flächen einen großen Bogen gemacht. "Im wissenschaftlichem Sinn betreiben wir hier Prozeßschutz.Wir schauen nur, wie sich die Natur entwickelt und wann wir wieder von einem Urwald sprechen können", erklärt Luthardt.Die letzten Urwälder sind im Brandenburger Raum bis auf ganz kleine Reste schon vor 200 Jahren abhanden gekommen.Der Mensch drang auch in die letzten verschwiegenen Ecken vor. Mit den jetzt begonnenen Beobachtungen in den ausgewählten Kernzonen verfolgen die Forstexperten durchaus praktische Ziele.Vor allem die Forstwirtschaft könne profitieren, sagen die Wissenschaftler.Auf die Veränderung des Wetters, die sich in der Schorfheide zuletzt vor allem in den geringeren Niederschlägen im Sommer zeigte, reagieren die Wälder möglicherweise ganz anders als bisher angenommen.Das hätte Konsequenzen für die Pflege, den Zeitpunkt des Baumfällens und der Bekämpfung von Schädlingen. Diese gewollte Wildnis ist außerdem ein Rückzugsgebiet für viele Tiere und Pflanzen.Nicht zufällig sind See- und Fischadler sowie Kraniche hauptsächlich in den gesperrten Waldstücken anzutreffen.Auch längst für ausgestorben gehaltene Insekten kommen plötzlich wieder. Sorgen bereiten der Verwaltung des Biosphärenreservates nur die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse in den Kernzonen."Die Grenzen sind 1990 noch von der Volkskammer mit der heißen Nadel gestrickt worden", sagt der Chef Eberhard Henne."Damals dachten wir gar nicht an Rückübertragung, Privat- oder Kirchenwald." Die meisten Flächen befinden sich noch im Besitz der Bundesvermögensverwaltung.Doch die ist gesetzlich zur gewinnbringenden Privatisierung verpflichtet.Der Förderverein des Biosphärenreservates hat in den letzten Jahren mit Lottomitteln viele Hektar der besonders sensiblen Bereiche erwerben können.Größte Gefahr sehen die Forstfachleute in dem Drang von Jagdgesellschaften, in der Schorfheide möglichst oft ihrem Hobby nachgehen zu dürfen.Privateigentümer haben große Flächen an sie bereits verpachtet.Die schraffierten Flächen sind als Kernzonen für die Jagd tabu, noch jedenfalls. Die neue Freizeitkarte und weitere Angaben zu Führungen und Ausstellung sind bei der Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, Stadtsee 1-4, 16225 Eberswalde, Tel.0 33 34/ 21 20 35 zu erhalten.Am Haus am Stadtsee (unmittelbar an der B 2 nach Angermünde gelegen) beginnen an jedem 1.und 3.Sonnabend im Monat rund sechsstündige Exkursionen für Autotouristen (Fahrgemeinschaften) entlang des Choriner Endmoränenbogens.Jedes Wochenende bietet die Naturwacht geführte Wanderungen von verschiedenen Ausgangspunkten an.

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