Boxen : Geständige Mörder aus U-Haft entlassen

Prozeßbeginn durch Pannen zu spät terminiert Cottbus (dpa).Drei mutmaßliche Mörder mußten nach Geständnissen wegen Pannen bei der Cottbuser Staatsanwaltschaft nach einem halben Jahr Untersuchungshaft wieder freigelassen werden.Das Oberlandesgericht Brandenburg habe die Haftbefehle gegen die 18- und 19jährigen deutschstämmigen Aussiedler aus Kasachstan bereits Ende Mai wieder aufgehoben, bestätigte Oberstaatsanwalt Christoph Otto gestern einen Bericht der in Cottbus erscheinenden "Lausitzer Rundschau".Der brandenburgische Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg verteidigte die Entscheidung des Oberlandesgerichts. Das geltende Haftrecht lasse es zu, daß auch geständige Mordverdächtige wieder auf freien Fuß gesetzt würden, falls nach sechsmonatiger Untersuchungshaft wegen Verzögerungen bei der Staatsanwaltschaft oder beim Gericht kein Urteil ergangen sei.Der Prozeßbeginn gegen die drei Angeschuldigten war für Anfang August vorgesehen. Die jungen Männer hatten nach Angaben von Oberstaatsanwalt Otto gestanden, im vergangenen Oktober einen 21jährigen Bewohner eines Heimes für Aussiedler in Lübben auf brutale Weise getötet zu haben.Ihr Opfer aus Usbekistan soll mit Rauschgift gehandelt und einem Mädchen mit Vergewaltigung gedroht haben.Um angeblich die Ehre wiederherzustellen, stachen die Täter den Angaben zufolge auf den Hals des Mannes ein, stülpten ihm eine Plastiktüte über den Kopf und fuhren ihn im Kofferraum zur Spree bei Lübben.Als der Usbeke flüchten wollte, drückten sie ihn unter Wasser, bis er ertrank. Die drei Tatverdächtigen wurden im November festgenommen.Zu Verzögerungen sei es dann wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten gekommen - in diesem Falle lagen sie beim Polizeipräsidium Potsdam und der Staatsanwaltschaft Cottbus, sagte Otto.Bei den ersten Vernehmungen durch die Potsdamer Kripo hätten zwei der Männer die Tat gestanden, während der dritte seine Beteiligung bestritt.Aus ihm nicht bekannten Gründen habe die Kripo erst Ende Januar diesem Mann dann das Geständnis der anderen Männer vorgehalten.Daraufhin habe auch dieser Mann die Tat zugegeben.Außerdem mußte die Anklageschrift nach einem Hinweis der Generalstaatsanwaltschaft zurückgenommen und neu formuliert werden. Das Oberlandesgericht habe festgestellt, daß diese Verzögerungen nicht zu Lasten der Angeschuldigten gehen dürfen.Deshalb habe es trotz dringenden Tatverdachts und Fluchtgefahr die weitere Untersuchungshaft abgelehnt.Bei einer Verurteilung drohen den drei Mordverdächtigen lebenslange Freiheitsstrafen oder Jugendstrafen bis zu zehn Jahren.

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