Boxen : Gewittersturm und U-Boot-Fahrten

Am Sonnabend öffnet in der früheren Potsdamer Buga-Halle die neue Erlebniswelt Biosphäre

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Ein gewaltiger Donnerschlag kündigt das Spektakel an: Blitze zucken, Sturm kommt auf, Regen prasselt, Tiere schreien und im Unterholz raschelt es unheimlich. Erschrocken blicken sich die Besucher um. Ist das echt oder Technik? Technik, wissen einige schnell, und zeigen auf versteckte Lautsprecher, Windmaschinen und Scheinwerfer. Ihre Gesichter sind feucht vom feinen Dauerniederschlag. Die neue Dschungelwelt in der ehemaligen Blumenschauhalle der Bundesgartenschau in Potsdam braucht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die kommt aus verschiedenen Düsen, inszeniert als Gewitter.

Ab diesem Sonnabend kann das jeder erleben, dann öffnet die „Biosphäre Potsdam“ ihre Türen. Fast ein Jahr hat der Umbau der großen Halle im Norden der Stadt gedauert. Rund fünf Millionen Euro investierte die Firma CxX Edutainment in die laut Marketingchef Jens Nitschke „einzigartige Zauberwelt“. Er verspricht faszinierende Eindrücke zu Wasser, Luft und Erde. Das Regenbogenhaus in Hannover habe zwar in gewisser Hinsicht Pate gestanden, aber die Schau in Potsdam sei um ein Vielfaches größer und dank der Zusammenarbeit mit dem Studio Babelsberg technisch ausgereifter. Außerdem fehle, so Nitschke, der Ausstellung in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein so wunderbarer Führer wie Fürst Pückler-Muskau: „Der weit gereiste Landschaftsarchitekt nimmt die Besucher mit auf seine Expeditionen.“ Statt Tropenhelm, Fernglas oder Gummistiefel erhalten die Besucher am Eingang einen Kopfhörer. Eine Stimme vom Band weist den Weg zunächst in Pücklers Studierzimmer. Bei jedem Schritt in einen auf dem Boden markierten Kreis springt der so genannte Audio-Guide an. Damit ist die Zeitreise in die Mitte des 19. Jahrhunderts kein Problem. Ein Geheimgang aus Pücklers Gemächern führt schließlich zur Tropenwelt mit 20 000 Pflanzen. Spätestens hier sollte man dicke Jacken ausziehen. Zwischen 23 und 30 Grad Celsius liegt die Durchschnittstemperatur. Dazu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit. Die gestern mit den letzten Vorbereitungen beschäftigten Gärtner, Elektriker, Klempner und Tontechniker reagierten auf das Klima erstaunlich gelassen. Es sei alles eine Frage der Gewöhnung, hieß es. Außerdem halte sich der Unterschied zum Wetter außerhalb der Halle derzeit in Grenzen. Im Winter, so mutmaßten die Arbeiter, sei die Umstellung zwischen draußen und drinnen sicher komplizierter.

Während sich das Personal täglich rund acht Stunden in tropischen Gefilden aufhalten wird, dauert ein Besucherrundgang zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Unterwegs gibt es mehrere Orte zum Abkühlen. Nicht nur deshalb dürfte das an Jules Vernes Nautilus erinnernde Unterseeboot zu den gefragten Zielen gehören. An den Bullaugen schwimmen farbenprächtige Fische vorbei. Ein Steuerrad, ein Taucherhelm und aufsteigende Luftblasen befördern die Phantasie. Beim Aussteigen aus dem U-Boot empfängt die Besucher ein wildes Froschkonzert. Am Ende der Expedition bringt sie eine filmische Ballonfahrt zurück auf den Boden der Realität. Gelandet wird mitten in Potsdam. Claus-Dieter Steyer

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