Boxen : Greenfee-Tourismus: Blühende Golf-Landschaften mit Handicaps

Johanna Hiller Gaertringen

Alles hat hier seine Ordnung. Schon der Rasen lässt darauf schließen, dass auf dem über einhundert Hektar großen Golfplatz in Motzen nicht nur gespielt, sondern auch hart gearbeitet wird: Er liegt da wie eine grüne Kokosmatte. Zehn "Greenkeeper" kümmern sich täglich um die exakte Einhaltung der vorgeschriebenen Halmlänge von drei Millimetern. Der Berliner Golf-und Country Club am Motzener See wurde - wie so viele Golfplätze in Brandenburg - Anfang der 90er Jahre gegründet. Er ist eine Alternative zu den stadtnahen Golfplätzen, die oft völlig überlaufen sind und wo Interessenten zunächst oft das Spiel mit der Warteliste aufnehmen müssen.

Auf dem Gelände in Motzen wurden von 1994 bis 1997 die von Bernhard Langer organisierten German Masters ausgetragen. Diese Events machten Motzen - und damit das Land - für Golfer interessant: Brandenburg scheint zum "Golferland" zu werden. Die Anlagen, die zunächst nur als "Grüne Lunge" für Berliner Besucher gedacht waren, locken mittlerweile Golfer aus der gesamten Bundesrepublik. Erstklassige Hotels in direkter Nähe fördern den "Greenfee"-Tourismus noch zusätzlich.

Und doch kämpfen die meisten Brandenburger Golfplätze um ihre Existenz. Die Konkurrenz ist groß. Allein in Berlin und Umgebung sind in den vergangenen Jahren 15 Golfplätze aus dem Boden geschossen - wie Unkraut im Rough. Die Plätze sind allesamt schön gelegen. Sie unterscheiden sich vor allem im Preis, also bei den Mitgliedsgebühren. Während man bei den Golfplätzen in und um Berlin tief in die Tasche greifen muss - gefordert werden in der Regel 3000 Mark Aufnahmebeitrag, 10 000 Mark Investitionsumlage und 2100 Mark Jahresbeitrag - kommt man sehr viel günstiger weg, sobald man etwas weiter draußen spielt. In Motzen beispielsweise liegt die Jahrespauschale bei 2900 Mark. Ehepaare spielen ermäßigt, eine Aufnahmegebühr und eine Investitionsumlage gibt es hier nicht. Trotzdem bemüht sich der Club genauso wie die alteingesessene und teure Konkurrenz um Exklusivität. An der Rezeption des Clubhauses liegt eine Kleiderordnung aus, in der es heißt "Wir erwarten, daß unsere Mitglieder und unsere Gäste einen guten Geschmack bezüglich der Wahl der Bekleidung beweisen". Kurze Shorts, Jeans, Jogginganzüge, ärmellose Shirts bei den Herren und Trägershirts bei den Damen sind nicht erwünscht. Nur die Kinder können sich in diesem vergleichsweise elitären Sport noch anziehen wie sie - oder ihre Eltern - es wollen. Auf Kinder wird in den Vereinen besonderer Wert gelegt. Ermäßigungen bei der Mitgliedschaft, sowie die Betreuung durch speziell geschultes Personal sind nur der Anfang. Nicht selten wird der talentierte Nachwuchs zusätzlich aus der Vereinskasse gesponsert, in speziellen Golfcamps während der Ferien sogar mit Einzelunterricht gefördert. Viele von ihnen hatten mit vier Jahren das erste Mal einen Golfschläger in der Hand. Bevor die jungen Talente lesen und schreiben können, schwingen sie schon den Schläger, wissen sie oft ganz genau über putting, chipping und pitsching Bescheid.

Generell hat der Golfsport in den letzten Jahren immer mehr Aufwind bekommen. Die Anzahl der aktiven Golfer hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht. Gab es 1990 in der Bundesrepublik 142 000 regelmäßige Golfer, waren es 1993 schon über 206 000. Von dieser Entwicklung lebt eine ganze Industrie. Allein schon der Erwerb einer einfachen Ausrüstung mit verschiedenen Schlägern kostet den Einsteiger mindestens 2000 Mark. Die Grenze nach oben ist offen. Besonders die passende Golfkleidung - Golfer sind schließlich bei jedem Wetter perfekt gekleidet - hat der Modebranche in den letzten Jahren einen völlig neuen Markt beschert. Golferutensilien dieser Art sind inzwischen direkt in den Clubhäusern zu haben: Hier finden sich - wie in Hotels - integrierte Shops. Auch die Brandenburger Bevölkerung profitiert vom Golferboom. In Motzen beispielsweise wurde der Golfclub zum Hauptarbeitgeber der Ortschaft. Dieser Nebenaspekt freut die Brandenburger Bevölkerung natürlich. Die Tourismusbranche begreift die Entwicklung der vergangenen Jahre als Chance.

Auf dieses Ereignis setzt das Golferparadies Brandenburg ganz besonders: Die bevorstehende Weltmeisterschaft, die vom 23. August bis zum 3. September im Sporting Club Berlin ausgetragen wird. Die Vereine im Berliner Umland versprechen sich davon einen wahren "Greenfee"-Tourismus".

Golf gilt immer noch als Sport, der auf ein gewisses Vermögen seiner Betreiber schließen läßt: Ein Trainer im Golfclub Motzen bekam vor einiger Zeit Post von einer internationalen Immobilienfirma. "Sie spielen Golf,sie haben es im Leben zu etwas gebracht", stand da geschrieben. Angeboten wurden dem guten Mann Villen in Spanien - natürlich in der Nähe eines Golfplatzes.

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