Boxen : Groß genug für das gemeinsame Land

Im Stadtschloss wäre genug Platz für alle Abgeordneten, sagt eine neue Studie Potsdams Bürgermeister rechnet 2008 mit einem Baubeginn

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Potsdam – Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ist optimistisch, dass 2008 mit dem Bau des Potsdamer Stadtschlosses als Sitz des gemeinsamen Landtages von Berlin und Brandenburg begonnen werden kann. Er sieht sich durch die Ergebnisse einer neuen Machbarkeitsstudie für das 85-Millionen-Projekt bestätigt, die Finanzminister Rainer Speer und Landtagspräsident Gunter Fritsch heute präsentieren wollen.

Danach ist das Darmstädter Büro Waechter & Waechter – wie frühere Studien – zu dem Ergebnis gekommen, dass sich das Raumprogramm eines gemeinsamen Parlamentes durchaus in dem Gebäude auf dem Alten Markt unterbringen lässt, das äußerlich wie das in den 50er Jahren abgerissene Stadtschloss aussehen soll. Auch die Kosten halten die Gutachter für realistisch.

Allerdings plädiert die Studie für einen neuen Ansatz: Danach soll der Plenarsaal des Parlaments nicht wie bisher vorgesehen im früheren Schloss-Innenhof untergebracht werden, weil zu viele fensterlose Büros die Folge wären, sondern im südlichen Hauptgebäude vis-à-vis der Langen Brücke. Dafür müssten allerdings Abstriche an der historischen Fassade gemacht werden. „Man muss jetzt die konkreten Entwürfe abwarten. Das wird eine spannende Diskussion“, sagte Jakobs.

Für den Potsdamer Oberbürgermeister wäre es kein Drama, wenn an den Seitenflügeln und dem südlichen Hauptgebäude die Schlossfassade nicht in jedem Detail wieder entstünde. „Man muss das nicht völlig originalgetreu machen“, sagt Jakobs. Er erinnert daran, dass nach dem Beschluss des Landtags eine „weitestgehende“ Annäherung an das historische Vorbild vorgesehen war.

Ähnlich pragmatisch äußerte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch, der auch Mitglied des Baubeirats des Landtages für den Parlamentsneubau ist. „Das kann im Rahmen des Investoren- und Architektenverfahrens geprüft werden. Wichtig ist, dass der gemeinsame Landtag in die Kubatur des Stadtschlosses hineinpasst, dass die Kosten eingehalten werden können“, sagte Niekisch. Ausdrücklich begrüßte Niekisch, dass im Zuge des Projektes jetzt auch die früheren Torhäuser neben dem Fortunaportal im Zuge des Parlamentsprojektes aufgebaut werden sollen. Zum Alten Markt hin könnte damit komplett die frühere Schlossfassade entstehen. Bislang war vorgesehen, den Aufbau der Torhäuser über Spenden zu finanzieren.

Auch die Opposition hält sich mit Kritik zurück. Der Potsdamer PDS-Landtagsabgeordnete und Chef der Stadtfraktion Hans-Jürgen Scharfenberg sagte, er stehe dem Vorhaben zwar weiterhin „kritisch distanziert“ gegenüber. Dennoch sei mit der Machbarkeitsstudie und dem Abrücken von einer hundertprozentigen Kopie der alten Schlossfassade ein „Realitätsgewinn“ zu registrieren. thm

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