Boxen : Großflughafen Schönefeld: Protestler für Stendal-Airport

Der geplante Großflughafen in Schönefeld wird nach Ansicht des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB) nicht erst durch das Bundesverwaltungsgericht gestoppt werden. Schon ein "echter Alternativstandort" könnte das Projekt "ad absurdum führen", sagte der BVBB-Vorsitzende Ferdi Breidbach. Bereits in dieser Woche könnte ein Gutachten Stendal in Sachsen-Anhalt für gut befinden. Dann liege es "bei der Politik, zur Einsicht zu kommen, dass es mit Schönefeld nicht mehr so geht", sagte Breidbach.

"Wir sind nicht pauschal gegen einen Großflughafen", versicherte der BVBB-Chef. Er sei überzeugt, dass die Region einen "Großflughafen mit Drehkreuzfunktion" brauche. Ein solcher Flughafen müsse aber an einem Standort gebaut werden, der drei Hauptpunkte vereine: einen wirtschaftlichen Betrieb, eine geringstmögliche Beeinträchtigung für Mensch und Natur sowie eine größtmögliche Erreichbarkeit per Schiene. "Das wäre in Stendal nahezu ideal gegeben", sagte Breidbach.

Er zeigte sich überzeugt, dass die "ganze Debatte um Schönefeld mit dem Gutachten zu Stendal eine neue Qualität" erreichen wird. Dieses werde voraussichtlich am 6. Juni vorgestellt werden. "Dann gibt es zwei konkurrierende Standorte, wobei Stendal nur ein paar Kilometer weiter von Berlin entfernt liegt", sagte er. Doch gebe es dort keine so genannte FFH-Gebiete, bei denen es naturschutzrechtliche Bedenken geben könnte. Auch sei das Gebiet im Gegensatz zu Schönefeld mit seinen 150 000 Betroffenen nur dünn besiedelt und biete eine gute Erreichbarkeit mit der Bahn.

Bei der Anhörung werden am Dienstag erstmals Berliner ihre privaten Einwände gegen das Milliardenprojekt vortragen. Bisher waren nur Betroffene aus Brandenburg zu Wort gekommen. Die Aufteilung nach Ländern hatte das zuständige brandenburgische Landesamt für Verkehr mit den erwarteten Ansturm im Ortsteil Oberschöneweide begründet, nachdem mehr als 133 000 Einwendungen von über 60 000 Privatpersonen eingegangen waren.

Bei der auf vier Monate angelegten Mammutveranstaltung handelt es sich um die größte Anhörung zu einem Infrastrukturprojekt in Deutschland. Bisher gehen die Betreiber davon aus, dass der Flughafen Ende 2007 eingeweiht werden kann.

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