Boxen : Grüne geschlossen hinter Wolfgang Wieland

Parteibasis kürt den ehemaligen Berliner Justizsenator mit 91,5 der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl

Thorsten Metzner

Potsdam. Der Berliner Politprofi Wolfgang Wieland will die Brandenburger Grünen im Herbst wieder in den Landtag führen: Am Samstag wurde der frühere Justizsenator im rot-grünen Berliner Übergangssenat, langjährige grüne Fraktionschef und Mitbegründer der Alternativen Liste zu einem der beiden Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 19. September gekürt.

Die Parteibasis wählte den 56-jährigen auf dem Landesparteitag im Potsdamer Stadtteil Hermannswerder mit einem für die Verhältnisse des in der Vergangenheit zerstrittenen Landesverbandes ungewöhnlich guten Ergebnis: Er erhielt 91,5 Prozent. „Es zeigt, dass wir alte Grenzen zwischen Ost und West, zwischen Berlinern und Brandenburgern in den Schatten stellen“, erklärte Wieland nach seiner Wahl. „Die Grünen sind in Aufbruchstimmung.“

Das Berliner „Zugpferd“ schnitt sogar deutlich besser ab als die Kleinmachnower Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm, die die Landesliste anführt. Behm wurde mit 41 von 56 Stimmen, das sind 73,2 Prozent, zur weiblichen Spitzenkandidatin gewählt. „Wir werden unsere Naturschutzgebiete nicht dem Ex-General als Exerzierplatz überlassen“, rügte sie danach das Anliegen der CDU, Naturschutzstandards herunterzufahren.

Die seit dem Jahre 1994 nicht mehr im Landtag vertretenen Grünen liegen nach der letzten Umfrage derzeit bei 5 Prozent. In einer kämpferischen Rede nahm Wieland erneut CDU-Landeschef Jörg Schönbohm ins Visier, mit dem er sich als Vertreter einer liberalen Innen- und Justizpolitik bereits im Berliner Abgeordnetenhaus bissige Duelle lieferte. Nach der Landtagswahl, so Wieland, sollte es in Brandenburg keinen Innenminister mehr geben, der wie Schönbohm „gegen die Hauptstadt der Schwulen Stimmung macht, mit dem nationalrevolutionären rechten Rand kokettiert, einen Feldzug gegen Asylbewerber in Kirchen führt.“

Es sei unglaubwürdig, wenn Schönbohm jetzt Kreide fresse und den Irak-Krieg als Fehler bezeichne. Ziel der Grünen sei es, den von Schönbohm verfolgten Abbau sozialer und ökologischer Standards zu verhindern. Wolfgang Wieland forderte SPD und PDS auf, vor der Landtagswahl klar Farbe zu bekennen, ob es Rot-Rot in Brandenburg gibt. Unterbleibe dies, sagte Wieland, „ist das Wählertäuschung.“ Unter dem Beifall der Basis plädierte er dafür, dass die Grünen - sie streben eigentlich die Oppositionsrolle an - notfalls SPD-Regierungschef Matthias Platzeck unterstützen sollten, wenn nur so ein Ministerpräsident Jörg Schönbohm verhindert werden könne. Bedingung der Grünen für ein rot-rot-grünes Bündnis wären nach seinen Worten jedoch die Einrichtung eines Stasi-Landesbeauftragten und eine Stasi-Überprüfung des Parlaments.

Auf dem gestrigen Parteitag wählten die Grünen ihre Landesliste, von der die Zusammensetzung der künftigen Potsdamer Landtagsfraktion abhängt. Auf den aussichtsreichen Listenplatz 3 wurde die für Organisation zuständige Bundesgeschäftsführerin und Agrarwissenschaftlerin Dorothea Staiger gewählt. Sie setzte klar sich gegen die Landesvorsitzende der Grünen, Marianne Gehrke, durch. Erfolglos blieb auch die parteilose frühere Eberswalder Polizeipräsidentin Uta Leichsenring, einst Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus. Sie hatte sich überraschend für einen aussichtsreichen Listenplatz beworben. Auf Platz 4 der Landesliste wurde Landesschatzmeister Christian Goetjes gewählt, auf Platz 5 die Landesgeschäftsführerin Marie Luise von Halem.

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