Boxen : Grüne Woche: Uckerkaas, Kirschsekt und Bio-Sauerkraut

Claus-Dieter Steyer

Käse mit Basilikum und Knoblauch oder mit Pfeffer und ganzen Senfgurken dürfte ziemlich einmalig sein. Doch die Erfindung aus der Bauernkäserei im kleinen Dorf Bandelow an der nordöstlichen Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern schmeckt vielleicht nicht gleich nach dem ersten Biss, aber nach dem zweiten ganz gewiss. Gelegenheit dafür besteht noch bis zum nächsten Wochenende in der Brandenburg-Halle der Grünen Woche. Die Käserei gehört hier zu den 21 Betrieben mit Neuheiten.

Vor einigen Jahren kaufte der Niederländer Pieter Wolters die frühere LPG in Bandelow, um mit alten Bauernrezepten aus seiner Heimat auf dem deutschen Markt Geld zu verdienen. Herausgekommen ist die Marke "Uckerkaas", hinter der sich die Namen Uckermark für die Region und Kaas für den holländischen Käse verbergen. Das Unternehmen mit 28 Mitarbeitern bewirtschaftet inzwischen 710 Hektar Acker- und Weideland. Die Kühe geben pro Tag rund 10 000 Liter Milch, von denen 2000 der Käseproduktion dienen. "Wir laden auf der Grünen Woche zum großen Test ein", sagte Verkaufsleiterin Heidi Hartig. Bisher hätten ihre Käsesorten mit Sellerie, Schnittlauch, Nelken, Kümmel, Paprika und eben Knoblauch und Basilikum noch nicht den Sprung in die großen Handelsketten geschafft. Aber in einigen Hofläden bei Berlin und im eigenen Betrieb sind die Neuheiten zu erhalten.

So wie diese Uckermärker versprechen sich alle auf der Grünen Woche vertretenen 150 Brandenburger Unternehmen neue Absatzchancen. "Zum Glück hat sich die Stimmung gegenüber der Landwirtschaft wieder spürbar beruhigt", meinte Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD) bei seinem gestrigen Rundgang. Die Tierkrankheiten BSE und MKS wirkten nicht mehr "schockierend" auf die Verbraucher. Brandenburg sei das erste Bundesland mit mehr als 100 000 Hektar ökologisch bewirtschafteter Nutzfläche. Diese machten 7,5 Prozent aller Felder aus. "Im Spreewald entfallen auf den Öko-Landbau sogar 67 Prozent aller Agrarflächen", teilte Landesbauernpräsident Heinz-Dieter Nieschke mit, der selbst in dieser Region arbeitet.

Doch viele Produkte gerade der Brandenburger Bio-Bauern sind oft nur auf der Grünen Woche oder nur in ausgewählten Berliner Naturkostläden zu sehen. "Wir müssen einfach die Einkäufer der großen Handelsketten überzeugen, noch mehr Regionalprodukte in ihre Regale aufzunehmen", erklärte der Minister das Problem. Vielerorts ergriffen Landwirte in den vergangenen Jahren selbst die Initiative und boten einen Lieferservice für Berliner Kunden an. Doch von den Euphorie nach der BSE-Krise ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die Kunden sprangen vor allem wegen der höheren Preise ab. Mit Fleisch, Obst, Gemüse und anderen Dingen gefüllte Abo-Kisten bieten heute noch die Bioland Ranch Zempow ( www.zempow.de ), das Öko-Dorf Brodowin ( www.brodowin.de ) und einige kleinere Betriebe an.

So bleibt die Brandenburg-Präsentation auf der Messe, die das Land immerhin mit rund 780 000 Euro unterstützt, vor allem ein Appetit-Anreger für Ausflüge aufs Land. So stellt eine Gemüse-Gesellschaft aus Groß Neuendorf im Oderbruch tischfertiges "Bio-Sauerkraut" vor. Nicht nur der Kohl dafür wurde ökologisch angebaut, sondern das Salz weist keinerlei Zusätze auf. Eine ganz neue Geschmacksrichtung enthält der Fruchtlikör aus "Rhababerkonzentrat mit Erdbeeraroma" aus der Brennerei Sellendorf. Aus Beelitz kommen nicht nur Spargel, sondern in diesem Jahr auch Kaninchen-Lachsschinken. Die Fischerei Köllnitz bei Storkow holt erstmals heißgeräucherte Wels-Rollen auf die Theke, während der Obst- und Gartenbauverein aus der Havelstadt Werder gar nicht um den Erfolg seiner Neuheit bangen muss. Der Kirschsekt feiert zwar Messepremiere, erwies sich aber beim vorjährigen Baumblütenfest schon als echter Renner und Bretterknaller.

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