Boxen : Hakenkreuz-Ritzer: Alles nur erfunden

14-Jährige gestand, dass sie sich die Verletzungen im Gesicht selbst zugefügt hat. Sie ist nicht die erste, die mit dieser Geschichte zur Polizei kam

Claus-Dieter Steyer

Guben/Cottbus. Alles gelogen. Das 14-jährige Mädchen, das bei der Polizei in Guben einen Überfall gemeldet hatte, hat am Freitagnachmittag zugegeben, dass sie das alles erfunden hat. Sie gestand bei der Vernehmung durch die Ermittlungsbehörden, sich selbst mit Rasierklingen ein Hakenkreuz in die Wange geritzt zu haben.

Mit dieser Verletzung war sie, wie berichtet, am 29. Dezember auf einer Polizeiwache in Guben erschienen. Sofort begann eine Fahndung, die aber ergebnislos blieb. Erst als das Mädchen bei einer Phantomzeichnung eines der Tatverdächtigen helfen sollte, kam es zum Geständnis. Nun wird gegen die 14-Jährige ermittelt: wegen Vortäuschens einer Straftat. „Dabei muss allerdings das Alter des Mädchens berücksichtigt werden“, sagte die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Cäcilia Cramer-Krahforst. Es sei fraglich, ob es zu einer Anklage komme.

Die 14-Jährige wuchs als Tochter eines Kubaners in Guben auf. Vor einiger Zeit zog sie nach Würzburg, wo sie auch die Schule besuchte. Genaue Umstände der familiären Situation wurden gestern nicht bekannt gegeben. Zwischen Weihnachten und Neujahr besuchte das junge Mädchen ihre Verwandten und Bekannten in der Neiße-Stadt. In diesem Zeitraum muss sie sich die Geschichte mit einem rechtsextremistisch motivierten Überfall ausgedacht haben. Guben besitzt nach der tödlichen Hetzjagd auf einen algerischen Asylbewerber vor drei Jahren deutschlandweit einen schlechten Ruf.

Gegenüber der Polizei machte das Mädchen zunächst glaubhafte Angaben. Zwei junge Männer hätten mit ihrem schwarzen Honda vor ihr gehalten, einer habe sie dann angegriffen und ein drei mal vier Zentimeter großes Hakenkreuz-Symbol in die Wange geritzt. Zum Schluss seien die Worte „Das geschieht dir recht, Scheiß-Neger!“ gefallen.

Nach der Anzeige in Guben fuhr das Mädchen nach Würzburg zurück, wo die dortige Polizei die Vernehmungen übernahm. Neben der Phantomzeichnung führte offenbar die Androhung einer gerichtsmedizinischen Untersuchung der Wunde zum Geständnis des Mädchen. Mit der Laboruntersuchung sollte die Waffe ermittelt werden.

Zuletzt hatte 1994 ein ähnlicher Fall in Halle die Öffentlichkeit aufgewühlt. Damals haben Skinheads angeblich einem im Rollstuhl sitzenden Mädchen ein Hakenkreuz in die Wange geritzt. Am nächsten Tag demonstrierten 15 000 Menschen in Halle gegen rechte Gewalt. Wenig später gab das Mädchen zu, den Überfall erfunden zu haben. Kurz meldete eine 20-Jährige in Berliner, dass Skindheads sie überfallen und ihr ein Hakenkreuz auf den Bauch geritzt hätten. Auch hier stellte sich bei den Ermittlungen heraus, dass die Geschichte erfunden war.

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