Boxen : Hauptstadt der Bildungsbürger Warum es in Potsdam so viele Privatschulen gibt

Potsdam - Ein Mitarbeiter der Berliner Bildungsverwaltung kommentierte es gestern wenig neidisch: „In der Stadt der Joops und Jauchs ist es doch kein Wunder, dass jedes fünfte Kind eine Privatschule besucht.“ Wie berichtet, hatte der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) diese Zahl am Dienstag verkündet. Ein Anteil freier Schulen von 20 Prozent sei auch im Bundesvergleich (rund sieben Prozent) sehr hoch, sagte gestern ein Sprecher der Potsdamer Stadtverwaltung: „Das kann man aber nicht nur damit erklären, dass so viele wohlhabende Prominente in der Stadt leben.“

Vielmehr könne sich Potsdam über hohe Bevölkerungszuwächse freuen. Die Zuzügler seien meist gut ausgebildete Menschen, die großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder legten. Hinzu kämen spezielle Besonderheiten. So sei beispielsweise der Anteil katholischer Familien durch den Zuzug aus Westdeutschland stark gestiegen. Auch deshalb wird in wenigen Tagen die neue katholische Marienschule ihre Pforten öffnen – unterstützt wurde eine entsprechende Elterninitiative unter anderem von Günther Jauch und der CDU-Kreisvorsitzenden Katherina Reiche.

Ein Drittel der 24 freien Schulen in Potsdam sind konfessionell, ein weiteres Drittel Spezialschulen, beispielsweise für ausländische Kinder. Genutzt werden die Potsdamer Angebote auch von vielen Eltern aus Berlin.

Ein weiterer Grund für den Privatschulboom sind moderate Preise. „Wenn das Schulgeld für eine Ganztagsschule in freier Trägerschaft mit 70 Euro im Monat nicht höher ist als das Geld für die Hortbetreuung in einer staatlichen Schule, können sich das fast alle leisten“, sagt die bildungspolitische Sprecherin der brandenburgischen Linken, Gerrit Große. Sie hält die Entwicklung trotzdem für bedenklich: „Das zeigt ja auch, dass Eltern mit staatlichen Schulen nicht zufrieden sind, was unter anderem am Lehrermangel und Klassenstärken von 30 Schülern liegt.“ das

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