Boxen : Heftiger Streit um Transrapid

MICHAEL MARA[POTSDAM]

Parteien, Bevölkerung, Experten gespalten / Anhörung im Landtag VON MICHAEL MARA, POTSDAM

Inoffiziell heißt es in Regierungs- und SPD-Fraktionskreisen, man sehe keinen Bedarf, zum jetzigen Zeitpunkt Stellung zu beziehen.Das Projekt sei ohnehin "im Sterben begriffen", da seine Wirtschaftlichkeit zunehmend in Frage steht.Dagegen warnte der Geschäftsführer der Magnetbahn-Planungsgesellschaft mbH, Hans Christoph Atzpodien, bei der Anhörung vor einem verfrühten Abgesang auf den Transrapid.Die Ergebnisse der neuerlichen Wirtschaftlichkeitsüberprüfung lägen erst Ende März/Anfang April vor.Deshalb seien alle Diskussionen verfrüht: "Sie bringen uns nicht weiter." Atzpodien betonte, daß der Transrapid dem Land Brandenburg Vorteile bringe, insbesondere für die Entwicklung der strukturschwachen Prignitz.Bekanntlich soll in Perleberg eine hochmoderne Wartungsstation mit weit über 100 Arbeitsplätzen entstehen. Die Vertreter der Prignitz sprachen sich dann auch überwiegend für den Bau des Transrapid aus.Perleberg habe mehr als 20 Prozent Arbeitslose, sagte Bürgemeister Zigan.Mit Ansiedlungen sei nicht zu rechnen, die Bundeswehr ziehe sich zurück.Die Jugend blicke, wenn das Hochtechnologiezentrum der Magnetschnellbahn nicht komme, in eine hoffnungslose Zukunft.Nur der Transrapid könne die sterbende Region noch retten, meinte auch der Sprecher des Vereins Pro Transrapid, Rothbauer.Das Transrapid-Zentrum werde viele Touristen anlocken.Hingegen fürchtet der Vertreter des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Schommler, daß der Transrapid negative Auswirkungen auf den Tourismus in der Prignitz haben werde.Der Sprecher der Prignitzer Bürgerinitiative Contra Transrapid, Preuß, verwies auf den wachsenden Widerstand der Bevölkerung: Man habe über 20.000 Unterschriften gesammelt. Auch die Experten sind uneins: Sprecher der Wirtschaft begrüßten das Projekt angesichts abnehmender Industriearbeitsplätze und schlechter Exportquoten.Der Vertreter des Deutschen Instituts für Zukunftsforschung und Technologiebewertung, Hopf, resümierte: Der Transrapid sei nicht wirtschaftlich.Er solle mit falschen Gründen auf der falschen Strecke gebaut werden.Bedenken hat auch der Sprecher der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel, Walther: Das Projekt laufe der dezentralen Konzentration, dem landesplanerischen Leitbild, zuwider.Ein Interessenausgleich zwischen der Metropole Berlin und den Randregionen finde nicht statt.Und das Verkehrsangebot in der Prignitz verschlechtere sich, da Wittenberge nicht angebunden sei.

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