Boxen : Heilwasser in Rheinsberg: Nach der Konferenz ins Thermalbad

Stefan May

Vor den Toren Berlins wird in den nächsten drei Jahren ein Thermenzentrum entstehen. Lediglich Bad Bentheim und Bad Reichenhall haben - neben Rheinsberg - eine so hohe Solekonzentration, sagt der Geschäftsführer der dortigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rheinsberg, Peter Stulfa. Er ist seit einem Jahr dafür verantwortlich, dass das Thermalbadprojekt vorangeht. Vor kurzem hatte sich die Stadtverordnetenversammlung von Rheinsberg einstimmig dafür ausgesprochen, von zwei Österreichern, dem Kärntner Hotelbetreiber Robert Rogner und dem Künstler Ernst Fuchs, eine Hotelanlage errichten zu lassen.

Bereits seit drei Jahren wird in Rheinsberg nach Heilwasser gebohrt. In 1700 Metern Tiefe wurde man fündig. Ein Pumpenhäuschen über der Bohrstelle steht inzwischen. Die wiederum liegt auf einem unscheinbaren Stück Land: das Gelände einer früheren LPG, zwischen hohen Gräsern und einer Windmühle auf einem nahen Hügel am Stadtrand. Um das Gebiet optimal zu erschließen, sahen sich die Rheinsberger in anderen Badeorten um und stießen in Österreich auf die Rogner-Gruppe. Rogner junior setzte einen Letter of Intent, eine Absichtserklärung, auf. Daraufhin entschieden sich die Parlamentarier für ihn - und nicht für einen der vier anderen Bewerber.

Das Projekt dürfte für Rogner allein durch die schon vorhandene Infrastruktur in Rheinsberg interessant sein: Die 5500-Einwohner-Stadt liegt inmitten der märkischen Seenplatte, ihr von Knobelsdorff erbautes Schloss mit dem barocken Park besuchen jährlich mehr als 600 000 Gäste. Mehrere Restaurants beleben das Stadtbild, das Zentrum ist größtenteils renoviert, das Wasserschloss am See - zu DDR-Zeiten eine Klinik - bietet einen romantischen Blickfang. Gleich daneben stand jahrzehntelang die Ruine der Kammeroper des Kronprinzen Friedrich, aus deren Decke schon die Birken wuchsen. Vor wenigen Monaten wurde die Restaurierung abgeschlossen, nun finden dort wieder Konzerte und Theateraufführungen statt. Am kommenden Wochenende geht hier der 10. Rheinsberger Festivalsommer zu Ende. Im Haus ist auch die international bekannte Musikakademie eingezogen: Einige Absolventen hätten es bereits bis an die New Yorker Met geschafft, wie die Rheinsberger stolz erzählen. Fontane und Tucholsky haben ihrer Stadt zu literarischem Ruhm verholfen, und auch heute sieht sie sich der Kunst verbunden.

Das neue 300- bis 400-Betten-Hotel in der Rogner-Anlage wird mit Konferenzräumen ausgestattet sein und soll an die 80 Millionen Mark kosten. Damit löst Rheinsberg auch ein anstehendes Problem: Es gibt bis jetzt keine Konferenzmöglichkeiten in der Stadt. Immer wieder kämen diesbezügliche Anfragen, die noch abgelehnt werden müssten. Das werde sich mit dem Thermenzentrum ändern, sagt Peter Stulfa. Und weltweit einzigartig werde sie laut dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung auch sein: Sie wird sich hauptsächlich der Naturheilmethode verschreiben und damit in die Philosophie der Stadt einpassen: Lehmbaustoffe werden hier erzeugt, auch über eine Bioheizanlage verfügt Rheinsberg. Die neue Therme wird zu 40 Prozent privat finanziert, 35 Prozent erwartet die Stadt an Fördermitteln, der Rest soll über Bankkredite aufgebracht werden. Mehr als 100 neue Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Ende 2002 könnte die Anlage in Betrieb gehen. Robert Rogner, der die Therme auch betreiben wird, habe angekündigt, sich mit fünf Millionen Mark selbst an dem Projekt zu beteiligen, sagt Peter Stulfa. Ende August soll Bundeskanzler Gerhard Schröder im Zuge einer mehrtägigen Reise durch die neuen Bundesländer auch in Rheinsberg Station machen und möglicherweise mit Rogner zusammentreffen.

Die Therme ist zwar derzeit das Lieblingsprojekt der Stadt, doch sind noch weitere Hotelanlagen in Planung oder Bau: Die Donnersmarck-Stiftung errichtet gleich neben dem Schloss ein Erholungshotel für Behinderte. Und die Dorintgruppe - Partner von Rogner bei seinen Hotelprojekten - plant eine Hotelanlage am anderen Ende der Stadt.

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