Hennigsdorf : Steinmeier stellt CD gegen rechte Gewalt vor

Mehrfach ist die Stadt durch rechtsextreme Übergriffe und Gewalttaten bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Auch deswegen präsentiert Außenminister Steinmeier in Hennigsdorf eine CD gegen den braunen Spuk. Von den Schülern fordert er Zivilcourage.

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Fordert Gegengewichte. Außenminister Steinmeier setzt sich im Innland gegen Rechtsextremismus ein. -Foto: ddp

HennigsdorfAuf dem Schulhof des Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasiums dröhnt laute Rockmusik aus den Lautsprechern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) steht dicht umringt zwischen Schülern. Die Jugendlichen wollen die neue CD "Starke Stimmen gegen Rechts - Demokratie Tape", die Steinmeier dort vorstellte, nicht nur hören, sondern sie vom Bundesminister gleich mit einem Autogramm versehen lassen.

Die rund 100 Schüler, die sich zur Präsentation versammelt haben, sind aber nicht nur wegen des Außenministers und der Live-Musik gekommen. Sie wollen mit ihrer Anwesenheit auch ein Zeichen setzen. "Es ist gut, dass es diese CD gibt", sagt Jessica Zamecki. "Sie richtet sich gegen Scheiben mit rechtsextremer Musik, die in Hennigsdorf schon öfter verteilt wurden."

An dem musikalischen Gegenpol haben sich verschiedene deutsche Bands beteiligt, darunter Stars wie Seeed, Silbermond und die Toten Hosen. Insgesamt wurden 50 000 der Tonträger produziert. Schulen und Schüler aus ganz Deutschland können die Gratis-CD bestellen und verteilen. Ein Herausgeber ist der Verein "Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland". "Die CD soll deutlich machen, dass wir selbst etwas gegen Rechtsextremismus tun können", sagt der Vorsitzende des Vereins, Uwe-Karsten Heye. Um etwas verändern zu können, müsse auch der ländliche Raum in Brandenburg "demokratisch und kulturell zurückgewonnen" werden, wie Heye hinzufügt.

Zivilcourage soll in allen Fächern vorkommen

Das Puschkin-Gymnasium setzt sich bereits seit Jahren für gelebte Demokratie ein. Seit 2006 trägt die Schule den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". In Brandenburg gehören 28 und bundesweit insgesamt rund 400 Schulen dem Netzwerk an. Steinmeier lobt dieses Engagement bei einem Rundgang. Gleichzeitig verweist er darauf, dass er bei seinen Auslandsaufenthalten immer wieder mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands konfrontiert werde. "Wir brauchen Belege, die zeigen, dass es ein Gegengewicht zu Rechtsextremismus in Deutschland gibt", fordert er.

Von einem eigenen Schulfach "Zivilcourage", wie es manchen vorschwebt, hält der Außenminister allerdings nichts, wie er bei einer Diskussionsrunde mit Vertretern der Schule betont: "Ich wünsche mir, dass es in allen Fächern vorkommt", sagt der SPD-Politiker.

Dass die CD ausgerechnet in Hennigsdorf vorgestellt wurde, ist kein Zufall. In dem Ort bei Berlin verkauft ein rechtsextremer Szene-Laden nach Angaben des Projekts "Blick nach rechts" Neonazi-Devotionalien und CDs mit umstrittener Musik. Wegen fremdenfeindlicher Übergriffe geriet die Kleinstadt schon mehrfach in die Schlagzeilen. Mit lautem Applaus unterstützen die Jugendlichen deswegen den Aufruf des Außenministers: "Mischt euch weiter ein!". (stb/ddp)

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