Boxen : HINTER DEN KULISSEN

-

Als die gebürtige Westfälin Ingeborg Junge-Reyer im April 2004 die Lücke ausfüllen musste, die der Stadtentwicklungssenator Peter Strieder mit seinem Rücktritt hinterließ, geschah dies fast naht- und reibungslos. Die Sozialdemokratin pflegt dennoch einen ganz anderen Politikstil als der machtbewusste, stets öffentlich präsente Macho Strieder. Was nicht bedeutet, dass Junge-Reyer nicht willens oder in der Lage wäre, ihre Ideen und Wünsche im Senat vorzubringen. Und sie hat es – still und zielstrebig – geschafft, sich der Männerwirtschaft in der Mammutbehörde weitgehend zu entledigen. Jedenfalls im politischen Führungsstab, aber da komplett. 18 Frauen – Senatorin, Staatssekretärinnen, Büroleiterinnen, Persönliche Referentinnen, Pressesprecherinnen und Sekretärinnen – besorgen in den oberen Etagen der Senatsbehörde in der Württembergischen Straße das Regierungsgeschäft. Es ist auch zu vermuten, dass Senatsbaudirektor Hans Stimmann, der kürzlich in Pension ging, eine Nachfolgerin erhält, die sich mit Gewissheit eine Persönliche Referentin an die Seite stellen wird. Dem Hörensagen nach blättern einige übrig gebliebene Männer in der Stadtentwicklungsverwaltung schon etwas nervös im Landesgleichstellungsgesetz. za

Im letzten Wahlkampf war Michail Nelken schon von weitem zu erkennen. Mit einem alten Lastenfahrrad kurvte der Mann von der Linkspartei durch Prenzlauer Berg, auf dem Kopf die graue Schiebermütze. Die ist seit Jahren das Markenzeichen des promovierten Philosophen, der seit 1995 im Abgeordnetenhaus saß, im vergangenen Oktober aber nicht wiedergewählt wurde. Im Dezember wurde Nelken dann Stadtrat für Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung in Pankow, die Schiebermütze kam mit ins Amt. Dort wurden die beiden jetzt aber unsanft getrennt. Als Nelken kurz nach Amtsantritt das Bauamt besuchte, hat man ihn bestohlen. Aus einem Nebenzimmer verschwand die Jacke mit wichtigen Dokumenten – und die Schiebermütze, außerdem sein Handy. Das hatte sich Nelken gerade erst neu angeschafft. Jahrelang hatte er sich geweigert, dem Trend zum Mobiltelefonieren zu folgen. Als Stadtrat konnte er den Boykott nicht mehr aufrechterhalten und besorgte sich widerstrebend ein Gerät. Dass das jetzt wieder verschwunden ist, ärgert ihn nur mäßig, wie auch die Tatsache, dass er wegen des ebenfalls gestohlenen Ausweises vorerst kein Ersatzgerät bekommt. „Es geht ja auch so“, sagt er. Aber das mit der Schiebermütze, das sei schon traurig. lvt

0 Kommentare

Neuester Kommentar