Hochwasser : Bangen um die Deiche

Das Hochwasser entlang der Schwarzen Elster und der Pulsnitz in Brandenburg geht leicht zurück, doch die Gefahr ist noch nicht gebannt.

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Herzberg - Von Wochenendruhe war in den Hochwassergebieten entlang der Schwarzen Elster und der Pulsnitz im Süden Brandenburgs keine Rede: Das lag allein schon am Lärm der Bundeswehrhubschrauber, die unentwegt zehntausende Sandsäcke auf die aufgeweichten Deiche legten. Schwerpunkt war auch am Sonnabend die rund 10 000 Einwohner zählende Kreisstadt Herzberg. Trotz des Einsatzes von rund 1500 Helfern konnten Überschwemmungen einzelner Häuser, Grundstücke und Straßen nicht völlig verhindert werden. Die ganze Nacht über hatten Angehörige der Feuerwehr, der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerks und der Polizei Sandsäcke gefüllt und an die besonders gefährdeten Deichabschnitte gebracht. Auch viele Einwohner, darunter auffallend viele Jugendliche, beteiligten sich an den Rettungsaktionen. Am kommenden Montag fällt wie schon in der vergangenen Woche der Unterricht an den meisten Schulen des Kreises Elbe-Elster aus.

„Wir rechnen erst am Sonntagabend mit einer leichten Entspannung der Lage“, sagte der Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes, Matthias Freude. „Dann könnten die Pegelstände auch in und um Herzberg leicht zurückgehen.“ Die Deiche entlang der Schwarzen Elster seien zum Teil 150 Jahre alt, bestünden aus Sand, Schutt und Gras und würden deshalb dem Druck des Wassers nur dank der Sandsackbarrieren standhalten. Brandenburg habe sich in den vergangenen Jahren vor allem auf den Neubau von Deichen entlang von Oder und Elbe konzentriert. Künftig würden auch die kleineren Flüsse mehr beachtet werden, sagte Freude.

Ursache der jetzigen Hochwasserlage waren sowohl die starken Niederschläge am vergangenen Wochenende als auch die feuchte Witterung in den vorangegangenen Wochen und Monaten. So wurde die durchschnittliche Regenmenge eines Jahres in Südbrandenburg schon Ende September erreicht. Allein der zurückliegende Monat brachte vielerorts zwischen 130 und 160 Liter Regen auf den Quadratmeter. Normal sind etwa 50 Liter.

Vor allem die Landwirtschaft beklagt hohe Verluste, da die Felder unter Wasser stehen und die Maschinen im Schlamm steckenbleiben. Da die Böden kaum noch Niederschläge aufnehmen können, könnte jeder kommende Niederschlag die Pegel in den Flüssen wieder ansteigen lassen. Es werde wohl noch Monate dauern, bis die Erde abtrockne und sich dem normalen Grundwasserstand wieder annähere, hieß bei den Fachleuten des Hochwassermeldezentrums in Cottbus.

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