Boxen : Hochwasser: Gummistiefel in Bereitschaft

Sandra Dassler,Claus-Dieter Steyer

Die Oder wird in den nächsten Tagen in Brandenburg rund 9000 Hektar Wiesen und Weiden überschwemmen. Vorsorglich bringen Bauern in den betroffenen Gebieten zwischen Ratzdorf und Frankfurt ihre Tiere in Sicherheit. Von offizieller Seite gibt es dafür keinen Anlass. "Wegen der gestiegenen Wasserstände besteht kein Grund für Panik", sagt beispielsweise der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Von einem Vergleich mit dem Jahrhunderthochwasser von 1997 könne keine Rede sein. Er verstehe zwar die Unruhe mancher Einwohner. "Aber wir sind diesmal viel besser auf eine mögliche Flutwelle vorbereitet. Bisher registrieren wir die Veränderungen an den Pegelmessstellen allerdings mit Gelassenheit." Grafik: Überschwemmungsgebiete in Polen Von Gelassenheit ist in den Dörfern entlang der Oder nichts zu spüren. "Unsere Einwohner laufen immer wieder zum Fluss und beobachten sorgenvoll den Anstieg", erzählt die Bürgermeisterin von Ratzdorf, Ute Petzel. Fast auf den Tag genau vor vier Jahren waren hier mehrere Gehöfte überschwemmt worden. Tausende Helfer hatten mit unzähligen Sandsäcken größeres Unheil verhindert. Noch immer fehlt vor dem Dorf ein schützender Deich. Mehrere Grundstückseigentümer weigern sich, für den Bau Flächen ihrer Gärten zur Verfügung zu stellen. Der vom Landesumweltamt angebotene Grundstückspreis entspräche nicht ihren Vorstellungen, heißt es im Dorf. Bürgermeisterin Petzel sieht nicht nur Gefahr durch die Oder. "Die Neiße darf nicht unterschätzt werden. Wenn sie Hochwasser führt, könnte sie beim Zusammentreffen mit der Oder große Schäden verursachen."

Für Eisenhüttenstadt und Frankfurt wird am Montag oder Dienstag mit der niedrigsten Alarmstufe gerechnet. Dort liegt der Pegel mit rund 4,20 Meter momentan rund zwei Meter über normal. Aber bis zur Deichkrone sind es noch über zwei Meter. Besondere Aufmerksamkeit gilt jetzt den zehn Deichbaustellen. Textile Wassermatten sollen an diesen sensiblen Orten ein Durchbrechen des Wassers verhindern..

Viel hängt in diesen Tagen von schnellen Informationen aus Polen ab. "Die Kommunikation funktioniert im Unterschied zu 1997 hervorragend", sagt Professor Freude. "Wir nutzen eine direkte Leitung zu unseren Kollegen am anderen Oderufer, so dass wir uns jederzeit auf den genauen Pegel einstellen können." Auch im brandenburgischen Innenministerium verweist man auf den besseren Draht zu Polen. Sprecher Heiko Homburg meint: "Seit eineinhalb Jahren gibt es in Warschau eine zentrale Stelle, die Hochwasser-Meldungen koordiniert und nach Deutschland weiterleitet. Und dort spricht sogar jemand Deutsch."

Mit der Kommunikation innerhalb des Ministeriums gibt es allerdings offenbar noch Schwierigkeiten. Von einer Sammelstelle für Hochwasser-Informationen, deren Einrichtung Staatssekretär Eike Lancelle am Mittwoch verkündet hatte, wusste gestern sowohl im Ministerium als auch in der Landesregierung niemand. Ein Missverständnis, sagt Homburg. Aber noch gäbe es ja auch keine Katastrophe. Die Einwohner an Oder und Neiße halten ihre Gummistiefel dennoch weiter in Bereitschaft.

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