Boxen : Hollywood im Spreewald

Ally McBeal war nicht zu überhören: Gestern wurden die Preise für die beste deutsche Synchronisation vergeben

Claus-Dieter Steyer

Von Claus-Dieter Steyer

Burg (Spreewald). Sie stellen sich in der Hotelhalle als Dustin Hoffmann vor. Oder als Hugh Grant, Robert de Niro, Toni Curtis, Julia Roberts, Tom Hanks und Jack Nicholson. Doch die Frauen und Männer haben mit den Hollywood-Größen wenig Ähnlichkeit. Wenn sie allerdings die ersten Sätze sprechen, macht es bei ihrem Gegenüber sofort Klick. Denn hier schmückt sich niemand mit fremden Federn, sondern nur mit der eigenen markanten Stimme. Die leihen sie den Stars in der deutschen Synchronisation der Filme und Serien.

Seit 2001 treffen sich die bekanntesten Sprecher und Talente im Spreewald zur „Gala der großen Stimmen“. Gestern war es im Hotel „Zur Bleiche“ in Burg wieder so weit. In acht Kategorien wurde der „Deutsche Preis für Synchron 2003“ vergeben. Der glanzvolle Abend täuschte etwas über die schwierige Lage der Branche hinweg. Zwar fühlten sich die Synchronsprecher schon immer als eine Art „Dunkelkünstler“. Ihre Leistung bleibt oft unbekannt, im Abspann fehlen ihre Namen meistens gänzlich. Die Pleite des Kirch-Imperiums verschärft aber nun die wirtschaftlichen Probleme, wie am Rande der Veranstaltung zu erfahren war.

Die Zahl der in den USA gekauften Streifen ist stark rückläufig, in vielen Sendern haben Quiz- und Talkshows sowie Seifenopern die einstigen Filmplätze belegt. Die verbliebenen Aufträge werden geringer als vorher bezahlt. Da kann sich derjenige glücklich schätzen, der die fleißigsten Hollywood-Schauspieler sprechen darf.

Daniela Hoffmann beispielsweise leiht Julia Roberts und Ally McBeal die Stimme. Sie ist aber selbst noch als Schauspielerin auf der Bühne und im Fernsehen im Geschäft. Thomas Danneberg bringt den deutschen Zuschauern gleich mehrere Stars näher: Sylvester Stallone, Gerard Depardieu, Richard Chamberlain, Terence Hill, Arnold Schwarzenegger und andere.

Zur gestrigen Gala hatten 29 Verleihfirmen und Synchronstudios ihre Favoriten nominiert. Beim Verlesen der Filmtitel im großen Saal des Hotels, dessen im September abgebrannter Wellness-Bereich in Kürze wieder eröffnet wird, stellte sich fast eine Stimmung wie bei der Oscar-Preis-Verleihung ein. Das lag wohl vor allem an den verlesenen Filmtiteln - „Chicago“, „Der Herr der Ringe“, „About Schmidt“ oder „Der Pianist“.

Am Ende vergab die fünfköpfige Jury unter Vorsitz von Bambi-Preisträger Rainer Brandt folgende Preise: Für die beste weibliche Synchronarbeit wurde Veronika Neugebauer ausgezeichnet, die im Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ die Rolle von Eileen Walsh als Chrispina sprach. Bei den Männern setzte sich Joachim Kerzel durch, der Jack Nicholson im Film „About Schmidt“ sprach. Der Nachwuchspreis ging an Manja Doering, die Reese Witherspoon im Streifen „Ernst sein ist alles“ übersetzte.

Den erstmals vergebenen Preis für die beste synchronisierte Serie erhielt „Ally McBeal“, in der Daniela Hoffmann die Hauptrolle spricht. Die deutsche Fassung des Films „Der Herr der Ringe“ wurde für die beste Regieleistung geehrt.

Im vergangenen Jahr hatten Corinna Harfouch für die Synchronisierung des Films „Die Klavierspielerin“ und Thomas Fritsch für seine Leistung in der deutschen Fassung des Streifens „Second Chance“ die ersten Preise gewonnen.

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