Hoppegarten : Mit Hut und Wettfieber

Am Sonnabend geht es in Hoppegarten um den "Preis der Deutschen Einheit". Der neue Besitzer der Galopprennbahn will mehr Familien anlocken.

Susanne Thams
Hoppegarten
Die Favoriten im Blick. Von der denkmalgeschützten Tribüne aus verfolgen Besucher in Hoppegarten die Rennen und ihre Pferde, auf...Foto: Uwe Steinert

Hoppegarten - Das Wettfieber soll die Berliner ergreifen, zumindest wenn es nach dem neuen Besitzer der Galopprennbahn Hoppegarten, Gerhard Schöningh, geht. Rund 12 000 Zuschauern werden am kommenden Sonnabend zum „19. Westminster Preis der Deutschen Einheit“ erwartet. Zum sportlichen Höhepunkt des Jahres, bei dem elf Pferde der internationalen Spitzenklasse starten, sollen die Gäste wie im vergangenen Jahr die denkmalgeschützte Tribüne und die parkähnliche Anlage bei Mahlsdorf am östlichen Stadtrand Berlins bevölkern. Rund um das mit 50 000 Euro dotierte Rennen werden ab 11 Uhr auch wieder viele extravagante Hüte zu sehen sein: Etliche Prominente hätten sich angekündigt, heißt es. Namen werden noch nicht verraten.

Um das klassische Flair der 141 Jahre alten Rennbahn in der brandenburgischen Gemeinde Hoppegarten zu beschwören, setzen ihre Betreiber aber inzwischen vor allem auf die Wetter mit durchschnittlichen Einsätzen. Das Bemühen in den vergangenen zwei Jahren, aus der Bahn wieder einen Besuchermagneten zu machen, trage erste Früchte, sagt Geschäftsführer Jan Kleeberg. Mit 6500 Zuschauern pro Renntag habe man die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent steigern können.

Vor allem für Familien soll Hoppegarten als Ausflugsziel attraktiv gemacht werden. Dafür hat sich das Team rund um Investor Schöningh ein paar Besonderheiten einfallen lassen. „Hier ist es nicht wie beim Fußball, zwei Halbzeiten und zwischendurch eine Wurst. Hier ist Bewegung drin“, schwärmt Kleeberg von den Renntagen. Die Besucher könnten sich die Pferde im Führerring ansehen oder im Biergarten bei Livemusik erstmal Pause machen. Besonders das Wetten soll die Berliner nach Hoppegarten locken. „Aber nur wer das Rennsportsystem versteht, wird zum Wiederholungstäter“, erklärt Kleeberg. Gefragt nach Platz- oder Siegwetten sowie 2er und 3er Wetten in Kombination sind Neulinge am Wettschalter häufig überfordert. Deswegen wird Anfängern an Infoständen erklärt, wie man eine Wette richtig platziert und wonach sich die Wettquoten richten. Auch die Kleinsten können im hauseigenen Hort schon auf Pferd und Reiter setzen. Als Gewinn winkt ein Plüschpferdchen. Erwachsene haben dagegen die Chance, einen verlorenen Wettschein noch einmal zu spielen, dann aber mit Hilfe eines Wettexperten.

Damit das Rennstall-Feeling „gut rüberkommt“, gibt es in Hoppegarten außerdem seit einiger Zeit einen Jockey-Talk. Berufsreiter stehen den Besuchern nach dem Rennen Rede und Antwort. Dabei geht es um den Rennverlauf, ums Gedrängel auf der Bahn oder überstandene Pannen, aber auch um das Gewicht der ultraleichten Sportler. Ob auch dieses Angebot noch mehr Besucher lockt und den Einnahmen auf die Sprünge hilft, wird sich in der abschließenden Jahresbilanz nach dem letzten Renntag am Samstag zeigen. Dann wird Kassensturz gemacht.

Sicher sind sich die Veranstalter aber bereits, dass Hoppegarten-Besitzer Gerhard Schöningh vorerst weiter in das Unternehmen einzahlen muss – trotz wachsender Besucherzahlen und großem Sponsoreninteresse. Schöningh lebt in London und machte sein Vermögen als Fondmanager. Für drei Millionen Euro hatte er die Bahn im März 2008 erworben, mindestens die Hälfte des Betrags floss seitdem noch einmal zusätzlich in die Renovierung und Sanierung. Hinzu kommen Gewinnpreise und Prämien.

Fürs kommende Jahr sind wie 2009 neun Renntage geplant. Über weitere Aktionen für steigende Zuschauerzahlen will man im Verlauf des Winters beraten. Fest steht schon, dass die Rennbahn öfter als bisher auch für Open-Air-Veranstaltungen vermietet werden soll – ohne Pferde und Wetten.Susanne Thams

Weitere Informationen unter

www.hoppegarten.com

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