Boxen : Hotel "Am Lenné-Park": Der Raub der Braut gehört zum Service

Claus-Dieter Steyer

Die Entführung der jungen Braut passierte blitzschnell. Zwei finstere Gestalten packten die hübsche Frau unter den Armen und entschwanden mit ihr. Für den Bräutigam blieb nur ein Weg zur Rettung: Mehrere Prüfungen für das künftige Führen einer Ehe bestehen. Viel Gaudi und gute Stimmung waren garantiert, denn der Raub der Braut gehört zum Service des Hotels "Am Lenné-Park" in Blumberg, an der gleichnamigen Autobahnausfahrt des nördlichen Berliner Rings gelegen. Natürlich geschieht das nur auf Wunsch der Besteller der Feier, entweder zum ersten großen Hochzeitsfest, zur silbernen oder goldenen Hochzeit. Auch ein Abend unter Wilddieben oder ein Schauspiel nach dem Silvesterstück "Dinner for One" gehören zum Repertoire des von Familie Streich geführten Teams.

Mit diesem Unterhaltungsprogramm sichern die Inhaber vor allem an Wochenenden eine gute Auslastung ihres 90 Betten zählenden Hotels mit einem großen Restaurant. An Werktagen dominieren Geschäftsreisende und Kurzurlauber. Bis zum Berliner Stadtzentrum sind es schließlich nur 15 Kilometer. Andererseits grenzt das Hotel gleich an den in den vergangenen Jahren wiederhergestellten Lenné-Park, der zu ausgiebigen Spaziergängen einlädt.

Mit der Speisekarte des Restaurants "Zum fleißigen Lieschen" könnte es beim flüchtigen Hinsehen einige Überraschungen geben. Denn neben dem Angebot in der üblichen hellbraunen Mappe liegt auf den Tischen mitunter ein Papier für den "Safari-Brunch". Der wird für die Teilnehmer der mehrstündigen Expeditionen per Elektromobil durch die Umgebung serviert. Da gibt es beispielsweise ein halbiertes Moorhuhn mit und ohne Schrotkugeln für 15,90 Mark. Denn zur Safari gehören gewöhnlich als Zwischenstopp auch Schüsse auf Moorhühner - per Pfeil und Bogen und nicht per Computermaus. Andere Gerichte sind nicht weniger fantasievoll: "Keule vom toten Lamm" für 19,30 Mark oder eine "Portion Lebenselixier und Jungbrunnen" für 16 Mark. Dahinter verbirgt sich Shi-Take im Jungbrunnentiegel nach Geheimrezept des Großen Ming gebraten, mit exquisitem Speck und Jungfrauenzwiebel. Hier hat wohl der Koch sehr viel Humor bewiesen.

Auf der "richtigen" Speisekarte ist ein Blick auf die Gerichte für den großen Hunger aus Mutters Küche zu empfehlen. Da findet sich die Bernauer Kartoffelpfanne (13,90 Mark) neben der Nudelpfanne "Pariser Art" mit Schweinegeschnetzeltem (15,70 Mark) und der Nudelpfanne mit dem Titel "Al Capone", mit Ei, Speck und Zwiebeln (14,70 Mark). Der schöne Name des Blumberger Restaurants findet sich nur in einem Gericht wieder. Der "Geheimtipp des fleißigen Lieschens" entpuppt sich als Rückensteak, gefüllt mit Würzfleisch und Käse für 19,90 Mark. Angenehmer ist da schon der Auftritt des Mädchens beim lustigen Spiel des Raubes der Braut während der Hochzeitsfeier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben