Boxen : Im Zug der Zeit

Potsdamer Betrieb erhält Zuschlag für Nahverkehrsstrecken in Sachsen

Klaus Kurpjuweit

Potsdam - Ein Potsdamer Unternehmen soll in Zukunft den Zugverkehr auf sächsischen Bahnstrecken betreiben. Bei einer Ausschreibung des Verkehrsverbundes Oberelbe hat die Eisenbahngesellschaft Potsdam den Zuschlag erhalten. Allerdings könnten unterlegene Bewerber bis zum 24. Dezember Einspruch erheben.

Die Eisenbahngesellschaft Potsdam ist ein junges Unternehmen, das sich bisher auf den Güterverkehr auf ausgewählten Strecken beschränkt hat. Es fährt mit eigenen Zügen unter anderem Zement vom thüringischen Deuna zum Bahnhof Greifswalder Straße in Berlin. Beim Bau des Flughafens BBI in Schönefeld haben die Potsdamer die Zementtransporte zum Betonmischwerk auf der Baustelle übernommen.

Im Geschäft sind die Potsdamer seit Mitte 2005. Gut ein Jahr später übernahmen sie die Gütersparte der Prignitzer Eisenbahn. Die Eisenbahngesellschaft Potsdam war von der Unternehmensberatung Triangula gegründet worden, die Kunden von Privatbahnen logistisch berät und den Firmen gleich eine eigene Lösung für den Gütertransport anbieten wollte.

Jetzt versuchen die Potsdamer, auch im Personenverkehr Fuß zu fassen. Der Auftrag aus Sachsen sei begeistert aufgenommen worden, sagte der Leiter des Personenbereichs der Eisenbahngesellschaft Potsdam, Holger Winter. Einzelheiten wollte er vor Ablauf der Einspruchsfrist nicht nennen, zumal damit zu rechnen sei, dass unterlegene Konkurrenten gegen die Vergabe vorgehen werden.

Behalten die Potsdamer den Zuschlag, müssen sie neue Mitarbeiter einstellen. Auch neue Fahrzeuge werden dann gekauft. Mit einem Hersteller sei man sich fast einig, sagte Winter.

Bei Ausschreibungen für den Nahverkehr auf der Schiene, die es seit der Bahnreform von 1994 gibt, sind inzwischen zahlreiche private Unternehmen zum Zug gekommen. Die Bahn AG, der langjährige Monopolist, wirft den Privaten vor, die Mitarbeiter meist schlechter zu bezahlen als die Deutschen Bahn. Deshalb verliere die Bahn AG Aufträge – wie jetzt in Sachsen. Die Potsdamer sollen dort von 2010 an ihre Züge auf den Strecken Dresden–Kamenz, Dresden–Königsbrück, Pirna–Sebnitz–Bad Schandau und Heidenau–Altenberg fahren lassen.

Auch in der Heimat können sich die Potsdamer um Aufträge bewerben. Für 2012 hat der Verkehrsverbund Berlin- Brandenburg (VBB) 16 Strecken, die heute noch von der Bahn AG betrieben werden, ebenfalls ausgeschrieben – darunter auch die lukrative Linie RE 1 Eisenhüttenstadt–Berlin–Magdeburg.

Nach den bisherigen Ausschreibungen sind laut Infrastrukturministerium die Kosten um bis zu 45 Prozent gesenkt worden. Die Ausschreibung ist in vier Lose aufgeteilt worden, wobei kein Unternehmen alle Lose gewinnen darf. Gegen diese Vorgabe will die Bahn AG allerdings klagen, weil damit von vornherein feststeht, dass sie zumindest einen Teil der Aufträge verlieren wird. Vielleicht sogar an ein – noch – kleines Unternehmen aus Potsdam. Klaus Kurpjuweit

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