Boxen : In neuer Pracht

Kanzleramtsminister de Maizière übernahm Schloss Meseberg als neues Gästehaus der Bundesregierung

Claus-Dieter Steyer

Meseberg - Die 150 Einwohner von Meseberg bei Gransee wissen jetzt, was eine „besondere Einsatzlage“ der Polizei bedeutet: Kontrollen auf allen Zufahrtswegen und im Ort selbst, berittene Patrouillen, unzählige fremde Menschen mit und ohne Schilder am Mantel, eine neugierige Journalistenschar und Sendewagen auf der Dorfstraße mit riesigen Satellitenschüsseln auf dem Dach. Das neue Gästehaus der Bundesregierung in dem 270 Jahre alten Schloss Meseberg wird dem bislang verschlafenen Dorf noch oft eine solche Situation bescheren. Gestern fand gewissermaßen die Generalprobe statt: Der Chef des Bundeskanzleramtes, Thomas de Maizière, übernahm symbolisch den Schlüssel aus den Händen des Vorstandes der Messerschmitt-Stiftung, Hans Heinrich von Srbik. Die Münchner Organisation für Denkmalpflege hatte das Schloss seit 1995 für 25 Millionen Euro restauriert.

Weitere 13 Millionen Euro stecken in der Konferenz- und Sicherheitstechnik für die zehn Räume im Erdgeschoss und die vier Suiten im Obergeschoss. De Maizière lobte das „Schmuckstück für alle“. Er hoffe, dass bald auch die Meseberger das „internationale Parkett“ in ihrem Schloss an einem Besichtigungstag betreten dürfen. Das neue Gästehaus halte zwar keinem Vergleich mit dem amerikanischen Camp David stand, weil das dortige Anwesen auch als Erholungsstätte des jeweiligen Präsidenten diene. Meseberg dagegen solle den Rahmen für Gespräche im kleinen Rahmen oder Klausuren geben, sagte der Bundesminister. Er könne sich vorstellen, dass hier Begriffe wie „Meseberger Gespräche“ oder „Meseberger Initiativen“ geprägt würden. Bei aller Freude nannte er aber auch einen „klitzekleinen Nachteil“ des Standortes: „Er liegt einen Tick zu weit weg von Berlin.“

Im Innern hat die Messerschmitt-Stiftung keine Kosten gescheut, um mit Gemälden, Lüstern, Tapeten, Stühlen und Tischen eine barocke Atmosphäre zu schaffen. Sie kaufte auf Versteigerungen, sie lieh sich Kunstwerke aus. Die farbigen Bezüge von sechs Stühlen wurden nach originalen Vorlagen in China nachgewebt. Mesebergs Bürgermeister Alois Demuth erkannte das Schloss gestern fast nicht wieder. Zuletzt hatte er dessen Räume vor zehn Jahren gesehen. Vom einstigen Schmuck war damals nichts mehr übrig geblieben.

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