Boxen : In Werder knallen Knospen und Korken

Zum Baumblütenfest erwartet die Havelstadt bis zum 4. Mai eine halbe Million Besucher. Auch auf der neuen Bismarckhöhe wird gefeiert

Claus-Dieter Steyer

Werder (Havel). Selten haben die Obstbäume in und um Werder so pünktlich geblüht wie in diesem Jahr. Der lange Winter hat den Knospenknall verzögert – bis zur Eröffnung des 124. Baumblütenfestes an diesem Sonnabend. Spätestens am Wochenanfang dürften sich nach Rechnung des Bürgermeisters alle Kirsch-, Aprikosen- und Pfirsichbäume in voller Pracht zeigen. Die Stadt stellt sich wieder auf einen riesigen Ansturm ein: Bis zum 4. Mai werden eine halbe Million Besucher erwartet – so viele wie bei der letzten Love Parade in Berlin.

An Neuigkeiten fehlt es auch diesmal nicht. Die Obstbauern wollen mit besonderen Wein-Mischungen die Käufer in ihre Gärten und an die Theken locken. Die Jury des Obst- und Gartenbauvereins verspricht eine riesige Auswahl. Die tapferen Frauen und Männer mussten vor dem Fest mehr als 80 Weinsorten probieren, um die Besten mit der „Goldenen Kruke“ zu prämieren.

Erstmals seit rund 60 Jahren dehnt sich der Trubel aus Bühnenprogramm, Weinverkostung und Picknick auf die 1896 gebaute Bismarckhöhe aus. Die Gaststätte verfiel lange Zeit, bis die Stadt das Anwesen im vorigen Jahr kaufte und herrichtete. Nun können bis zu 1000 Gäste den wohl schönsten Blick auf die Landschaft bei einem Imbiss genießen. Täglich von 12 bis 22 Uhr wird buntes Unterhaltungsprogramm geboten.

Wer es ruhiger mag, sollte sich für einen der vielen Gärten der Obstbauern entscheiden. Hier empfiehlt sich eine Busrundfahrt zu zehn Höfen in der Umgebung. An den Wochenenden und am 1. Mai beginnen die Touren am Werderaner Bahnhof und an der Post ab zehn Uhr alle 30 Minuten, an den anderen Tagen starten die Busse stündlich. Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder die Hälfte. Meist stellen die Bauern Tische und Stühle für ihre Gäste direkt in den blühenden Plantagen auf. Neben Obstwein gibt es auch Kaffee, Kuchen und frische Landprodukte.

Erstmals zum Baumblütenfest öffnet die neue Wirtschaft auf dem Werderaner Wachtelberg ihre Türen. Hoch über den Weinreben kredenzt Winzer Manfred Lindicke seinen weißen Müller-Thurgau, die roten Dornfelder und Regent sowie Obstweine und -säfte. Der Wachtelberg gehört zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut und gilt als die nördlichste amtlich erfasste Reblage der Welt.

Aus dem großen Programm ragt ein Termin heraus: Am 2. Mai spielt die Rockgruppe City ab 19 Uhr auf der Bühne an der Regattastrecke. Die Bahn setzt an diesem Tag extra einen Sonderzug ab 23.43 Uhr von Werder nach Berlin-Zoo ein. Ohnehin wird von der Anreise zum Baumblütenfest mit dem eigenen Pkw abgeraten – wegen knapper Parkplätze und dem reichlichen Obstwein.

Die Bahn fährt an beiden Wochenenden und am 1. Mai im 20-Minuten-Takt von Berlin über Potsdam nach Werder. Die Weiße Flotte fährt nach einem Sonderfahrplan von Potsdam in die Nachbarstadt, vom Potsdamer Hauptbahnhof verkehren die Linie 631 und Sonderbusse nach Werder. Autofahrer sollten wegen Bauarbeiten in Glindow auf die Autobahnausfahrt Phöben ausweichen.

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