Interview mit Anita Tack : "Noch ist die Gefahr nicht vorüber"

Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) spricht im Interview über die Hochwassersituation an der Oder und die Konsequenzen, die aus den aktuellen Ereignissen gezogen werden müssen.

Ist das Schlimmste überstanden, kommt Brandenburg beim Oderhochwasser glimpflich davon?
Das kann im Moment noch niemand sagen. Der Scheitel hält noch mindestens zwei Tage an und damit auch die extreme Belastung für die Deiche. Kein Hochwasser ist ohne Risiko. Das hat man ja beim Abriss der Grasnarbe am Altdeich in der Ziltendorfer Niederung gesehen. Noch ist die Gefahr nicht vorüber.

Wo sind noch kritische Punkte?
Das sind die drei Baustellen, wo die Sanierung noch nicht fertig war. Das betrifft vor allem den längeren Abschnitt bei Brieskow-Finkenherd. Dort ist die Baustelle aber inzwischen gut gesichert. Insgesamt aber sind die Deiche viel besser als 1997. Das Land hat 220 Millionen Euro in ihre Erneuerung investiert und 60 Hektar Überflutungsflächen geschaffen. In diesem Jahr werden 15 Millionen verbaut.

Gibt es aus Ihrer Defizite im Einsatz?
Aus jetziger Sicht nicht. Alle haben aus der Katastrophe von 1997 gut gelernt und im Gegensatz zu damals rechtzeitig Vorsorge getroffen. Das betrifft den Katastrophenschutz der Regierung, aber vor allem auch die Einsätzstäbe in den Kreisen, die die Hauptverantwortung im Hochwassereinsatz tragen. 1997 war das alles noch anders.

Sind Konsequenzen absehbar, die aus diesem Hochwasser gezogen werden sollten?
Unbedingt. Wir müssen möglichst viele Überflutungsflächen schaffen, auch wenn das nicht überall möglich ist. Da bin ich mir mit dem Ministerpräsidenten einig. Das Hochwasser hat uns einmal mehr gezeigt, dass man den Flüssen ihren Raum zurückgeben muss. Das ist der beste Hochwasserschutz.


Die Fragen stellte Thorsten Metzner

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